Goethe – Schriften zur Kunst und Literatur

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Zitatübersicht zu Goethes Schriften zur Kunst und Literatur

Zitat

Seiten*

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Übersicht der Schriften

8

Zuschauer

81

1

Herrn der Regel

79

9

Der wahre Liebhaber

121

2

Gesetze

79

10

Naturformen der Dichtung

191

3

Gegenstände I

79f.

11

Definition Drama

287

4

Gegenstände II

80

12

Wahrheit und Bühne

289

5

Motive

80f.

13

Aristoteles Tragödien-Definition

295

6

Welten

81

14

Goethes Antwort

298

7

Schauspieler

81

* Seiten im Reclam

 

 

 
Classisch ist das Gesunde, romantisch das Kranke.
 
Textgrundlage: J.W. Goethe: Schriften zur Kunst und Literatur. Hrsg. von Harald Steinhagen, Reclam, Stuttgart 1999
 
Übersicht der Schriften
 
 
I. Zum Schäkespears Tag (1771)
II. Über epische und dramatische Dichtung (1797)
III. Wahrheit und Wahrscheinlichkeit der Kunstwerke (1797)
IV. Naturformen der Dichtung (1816-1818)
V. Shakespeare und kein Ende! (1812/13)
VI. Nachlese zu Aristoteles Poetik (1826/27)
 
 
Zitat 1 Herrn der Regel
 
Es schien mir die Einheit des Orts so kerckermäsig ängstlich, die Einheiten der Handlung und der Zeit lästige Fesseln unsrer Einbildungskrafft. Ich sprang in die freye Lufft, und fühlte erst dass ich Hände und Füsse hatte. Und ietzo da ich sahe, wieviel Unrecht mir die Herrn der Regeln in ihrem Loch angethan haben, wie viel freye Seelen noch drinne sich krümmen, so wäre mir mein Herz geborsten, wenn ich ihnen nicht Fehde angekündigt hätte, und nicht täglich suchte ihre Türne zusammen zu schlagen. (Schrift I (siehe Folie 2)/Seite 10)
 
 
Zitat 2 Gesetze
 
Der Epiker und Dramatiker sind beide den allgemeinen poetischen Gesetzen unterworfen, besonders dem Gesetze der Einheit und dem Gesetze der Entfaltung; ferner behandeln sie beide ähnliche Gegenstände und können beide alle Arten von Motiven brauchen; ihr großer wesentlicher Unterschied beruht aber darin, daß der Epiker die Begebenheit als vollkommen vergangen vorträgt und der Dramatiker sie als vollkommen gegenwärtig darstellt. (II/79)
 
 
Zitat 3 Gegenstände I
 
Zitat 4 Die Gegenstände des Epos und der Tragödie sollten rein menschlich, bedeutend und pathetisch sein: die Personen stehen am besten auf einem gewissen Grade der Cultur, wo die Selbstthätigkeit noch auf sich allein angewiesen ist, wo man nicht moralisch, politisch, mechanisch, sondern persönlich wirkt. Die Sagen aus der heroischen Zeit der Griechen waren in diesem Sinne den Dichtern besonders günstig. (II/ 79)
 
 
Zitat 4 Gegenstände II
 
Das epische Gedicht stellt vorzüglich persönlich beschränkte Thätigkeit, die Tragödie persönlich beschränktes Leiden vor; das epische Gedicht den außer sich wirkenden Menschen: Schlachten, Reisen, jede Art von Unternehmung, die eine gewisse sinnliche Breite fordert; die Tragödie den nach innen geführten Menschen, und die Handlungen der echten Tragödie bedürfen daher nur wenigen Raums. (II/79f.)
 
 
Zitat 5 Motive
 
Der Motive kenne ich fünferlei Arten: 1. Vorwärtsschreitende, welche die Handlung fördern; deren bedient sich vorzüglich das Drama. 2. Rückwärtsschreitende, welche die Handlung von ihrem Ziele entfernen; deren bedient sich das epische Gedicht fast ausschließlich. 3. Retardirende, welche den Gang aufhalten oder den Weg verlängern; dieser bedienen sich beide Dichtarten mit dem größten Vortheile. 4. Zurückgreifende, durch die dasjenige, was vor der Epoche des Gedichts geschehen ist, hereingehoben wird. 5. Vorgreifende, die dasjenige, was nach der Epoche des Gedichts geschehen wird, anticipiren; beide Arten braucht der epische so wie der dramatische Dichter, um sein Gedicht vollständig 7 zu machen. (II/80)
 
 
Zitat 6 Welten
 
Die Welten, welche zum Anschauen gebracht werden sollen, sind beiden gemein: 1. Die physische, und zwar erstlich die nächste, wozu die dargestellten Personen gehören und die sie umgibt. In dieser steht der Dramatiker meist auf Einem Puncte fest […] 2. Die sittliche ist beiden ganz gemein, und wird am glücklichsten in ihrer physiologischen und pathologischen Einfalt dargestellt. 3. Die Welt der Phantasien, Ahnungen, Erscheinungen, Zufälle und Schicksale. Diese steht beiden offen […]. (II/80f.)
 
 
Zitat 7 Schauspieler
 
Der Mime dagegen ist gerade in dem entgegengesetzten Fall, er stellt sich als ein bestimmtes Individuum dar, er will, daß man an ihm und seiner nächsten Umgebung ausschließlich Theil nehme, daß man die Leiden seiner Seele und seines Körpers mitfühle, seine Verlegenheiten theile und sich selbst über ihn vergesse. (II/81)
 
 
Zitat 8 Zuschauer
 
Der zuschauende Hörer muß von Rechts wegen in einer steten sinnlichen Anstrengung bleiben, er darf sich nicht zum Nachdenken erheben, er muß leidenschaftlich folgen, seine Phantasie ist ganz zum Schweigen gebracht, man darf keine Anspruche an sie machen, und selbst was erzählt wird, muß gleichsam darstellend vor die Augen gebracht werden. (II/81)
 
 
Zitat 9 Der wahre Liebhaber
 
Davon hat der gemeine Liebhaber keinen Begriff, er behandelt ein Kunstwerk wie einen Gegenstand, den er auf dem Markte antrifft, aber der wahre Liebhaber sieht nicht nur die Wahrheit des Nachgeahmten, sondern auch die Vorzüge des Ausgewählten, das Geistreiche der Zusammenstellung, das Überirdische der kleinen Kunstwelt, er fühlt, daß er sich zum Künstler erheben müsse, um das Werk zu genießen, er fühlt, daß er sich aus seinem zerstreuten Leben sammeln, mit dem Kunstwerke wohnen, es wiederholt anschauen, und sich selbst dadurch eine höhere Existenz geben müsse. (III/121)
 
 
Zitat 10 Naturformen der Dichtung
 
Es gibt nur drei echte Naturformen der Poesie: die klar erzählende, die enthusiastisch aufgeregte und die persönlich handelnde: Epos, Lyrik und Drama. (IV/191)
 
 
Zitat 11 Definition Drama
 
Wir unterscheiden nahverwandte Dichtungsarten, die aber bei lebendiger Behandlung oft zusammenfließen: Epos, Dialog, Drama, Theaterstück lassen sich sondern. Epos fordert mündliche Überlieferungen an die Menge durch einen Einzelnen; Dialog Gespräch in geschlossener Gesellschaft, wo die Menge allenfalls zuhören mag; Drama Gespräch in Handlungen, wenn es auch nur vor der Einbildungskraft geführt würde; Theaterstück alles drei es zusammen, in so fern es den Sinn des Auges mit beschäftigt und unter gewissen Bedingungen örtlicher und persönlicher Gegenwart faßlich werden kann. (V/287)
 
 
Zitat 12 Wahrheit und Bühne
 
Es ist keine Spur von der Natürlichkeitsforderung, in die wir nach und nach durch Verbesserung der Maschinerie und der perspectivischen Kunst und der Garderobe hineingewachsen sind, und von wo man uns wohl schwerlich in jene Kindheit der Anfänge wieder zurückführen dürfte: vor ein Gerüste; wo man wenig sah, wo alles nur bedeutete, wo sich das Publicum gefallen ließ, hinter einem grünen Vorhang das Zimmer des Königs anzunehmen, den Trompeter der an einer gewissen Stelle immer trompetete, und was dergleichen mehr ist. Wer will sich nun gegenwärtig so etwas zumuthen lassen? (V/289)
 
 
Zitat 13 Aristoteles Tragödien-Definition
 
Die Tragödie ist die Nachahmung einer bedeutenden und abgeschlossenen Handlung, die eine gewisse Ausdehnung hat und in anmuthiger Sprache vorgetragen wird, und zwar von abgesonderten Gestalten, deren jede ihre eigne Rolle spielt, und nicht erzählungsweise von einem Einzelnen; nach einem Verlauf aber von Mitleid und Furcht mit Ausgleichung solcher Leidenschaften ihr Geschäft abschließt. (VI/295)
 
 
Zitat 14 Goethes Antwort
 
Hat nun der Dichter an seiner Stelle seine Pflicht erfüllt, einen Knoten bedeutend geknüpft und würdig gelös’t, so wird dann dasselbe in dem Geiste des Zuschauers vorgehen; die Verwicklung wird ihn verwirren, die Auflösung aufklären, er aber um nichts gebessert nach Hause gehen: er würde vielmehr, wenn er ascetisch-aufmerksam genug wäre, sich über sich selbst verwundern, daß er eben so leichtsinnig als hartnäckig, eben so heftig als schwach, eben so liebevoll als lieblos sich wieder in seiner Wohnung findet wie er hinausgegangen. Und so glauben wir alles, was diesen Punct betrifft, gesagt zu haben, wenn sich schon dieses Thema durch weitere Ausführung noch mehr in’s Klare setzen ließe. (VI/298)
 
 

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