Gottsched – Critische Dichtkunst

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Zitatübersicht zu Gottscheds Critische Dichtkunst Kap. X und XI

Zitat

Kapitel X (Tragödie)

Seiten

Zitat

Kapitel XI (Komödie)

Seiten

1

Gottscheds Absicht

196

13

Ursprung der Komödie

176-186

2

Ursprung der Tragödie

153-156

14

Definition

186

3

Wirkung nach Aristoteles

156-158

15

Inhalt

186-187

4

Äußere Form der Tragödie

158-160

16

Innere Form der Komödie

188-190

5

Innere Form der Tragödie I: Bau-Anleitung I

160-167

17

Personen

189-190

6

Innere Form der Tragödie I: Bau-Anleitung II

18

Äußere Form der Komödie

190-191

7

Innere Form der Tragödie II: Einheiten

19

Charaktere

191-192 und 187

8

Innere Form der Tragödie III: Eigenschaften der Handlung

20

Wirkungsabsicht

192-193

9

Charaktere

167-169

21

Stil

193-195

10

Stil

169-171

22

Inszenierung

195-196

11

Musik

171-172

23

Musik

196

12

Inszenierung

172-176

 
          * im Reclamheft

 

Seiten in: J. C. Gottsched: Schriften zur Literatur. Herausgegeben von Horst Steinmetz, Reclam 2003

 

Johann Christoph Gottsched: Versuch einer Critischen Dichtkunst vor die Deutschen
 
Uberall aber gezeiget wird
Daß das innere Wesen der Poesie
in einer Nachahmung der Natur bestehe.
 
Textgrundlage: J. C. Gottsched: Schriften zur Literatur. Herausgegeben von Horst Steinmetz, Reclam 2003
 
Grobe Gliederung
 
Kapitel I-XI
 
Kap. I Ursprung der Poesie
Kap. II und III Vom Poeten
Kap. IV Drei Gattungen
Kap. V und VI Wunderbares und Wahrscheinlichkeit
Kap. X und XI Tragödie und Komödie
 
 
Gesamtgliederung
1. Teil
2. Teil
I. Vom Ursprunge und Wachstume der Poesie
II. Von dem Charaktere eines Poeten
III. Vom guten Geschmacke eines Poeten
IV. Von den drei Gattungen der poet. Nachahmung
V. Von dem Wunderbaren in der Poesie
VI. Von der Wahrscheinlichkeit in der Poesie
X. Von Tragödien oder Trauerspielen
XI. Von Komödien oder Lustspielen
 
 
Zitat 1 Gottscheds Absicht
 
Es kommt nur darauf an, daß unsre große Herren sich endlich einen Geschmack von deutschen Schauspielen beibringen lassen: Denn solange sie nur in ausländischen Sachen verliebt sind, ist nicht viel zu hoffen. (Kapitel XI/Seite 196)
 
 
Zitat 2 Ursprung der Tragödie
 
Wie vorzeiten die ganze Poesie mit der Musik vereinbaret gewesen, so hat auch die Tragödie ihren Ursprung aus gewissen Liedern, die dem Bacchus zu Ehren gesungen worden. (X/153)
 
 
Zitat 3 Wirkung nach Aristoteles
 
Bei den Griechen war also, selbst nach dem Urteile Aristotelis, die Tragödie zu ihrer Vollkommenheit gebracht; und kann in diesem ihrem Zustande gar wohl ein Trauerspiel heißen: weil sie zu ihrer Absicht hatte, Traurigkeit, Schrecken, Mitleiden und Bewunderung bei den Zuschauern zu erwecken. Aristoteles beschreibt sie derowegen als eine Nachahmung einer Handlung, dadurch sich eine vornehme Person harte und unvermutete Unglücks-Fälle zuziehet. (X/157)
 
 
Zitat 4 Äußere Form der Tragödie
 
So teilte man doch der Abwechslung halber dieselbe [Haupt-Handlung] in fünf Teile ein, die man Actus oder Handlungen nennte (…). Die Ursache dieser fünffachen Einteilung ist wohl freilich willkürlich gewesen: Indessen ist diese Zahl sehr bequem, damit dem Zuschauer nicht die Zeit gar zu lang würde. (…) Ich wundre mich nur, daß man dieses nicht durchgehends wieder aufgebracht hat. (X/160)
 
 
Zitat 5 Innere Form der Tragödie I: Bau-Anleitung I
 
Der Poet wählet sich einen moralischen Lehr-Satz, den er seinen Zuschauern auf eine sinnliche Art einprägen will. Dazu ersinnt er sich eine allgemeine Fabel, daraus die Wahrheit seines Satzes erhellte. Hiernächst sucht er in der Historie solche berühmte Leute, denen etwas Ähnliches begegnet ist: und von diesen entlehnet er die Namen vor die Personen seiner Fabel, um derselben also ein Ansehen zu geben.
 
 
Zitat 6 Innere Form der Tragödie I: Bau-Anleitung II
 
Er erdenket sodann alle Umstände dazu, um die Haupt-Fabel recht wahrscheinlich zu machen, und das werden die Zwischen-Fabeln oder Episodia genannt. Dieses teilt er denn in fünf Stücke ein, die ungefähr gleich groß sind, und ordnet sie so, daß natürlicherweise das Letztere aus dem Vorhergehenden fließet: Bekümmert sich aber weiter nicht, ob alles in der Historie so vorgegangen oder ob alle Neben-Personen wirklich so und nicht anders geheißen. (X/161)
 
 
Zitat 7 Innere Form der Tragödie II: Einheiten
 
Diese Fabel nun zu erdichten, sie recht wahrscheinlich einzurichten und wohl auszuführen, das ist das Allerschwerste in einer Tragödie (…) Das [gute Einrichten] macht, daß dieselbe eine dreifache Einheit haben muß, wenn ich so reden darf: die Einheit der Handlung, der Zeit und des Ortes. (X/163)
 
 
Zitat 8 Innere Form der Tragödie III: Eigenschaften der Handlung
 
Es sind aber die Fabeln der Trauer-Spiele ebenfalls entweder einfache oder schlechte oder verworrene, die einen Glücks-Wechsel und eine Entdeckung unbekannter Personen haben. In beiden aber hat ein Knoten oder die sogenannte Intrigue statt, die sich im Anfange des Schau-Spieles anfängt ineinanderzuschlingen und allmählich immer mehr und mehr verwirret, bis die letzte Handlung oder womöglich der letzte Auftritt alles auf einmal auflöset. (X/166)
 
 
Zitat 9 Charaktere
 
Es muß also der Poet seinen Hauptpersonen eine solche Gemütsbeschaffenheit geben, daraus man ihre künftige Handlungen wahrscheinlich vermuten und, wenn sie geschehen, leicht begreifen kann. (…) [Das Horaz-Zitat] will soviel sagen, daß ein Poet die Personen, die aus der Historie schon bekannt sind, genau bei eben dem Charaktere lassen müsse, den man von ihnen längst gewohnt ist. (…) Ein wider-sprechender Charakter ist ein Ungeheuer, so in der Natur nicht leicht vorkommt (…). Nichts ist von Charakteren mehr übrig zu sagen, als daß nur die Hauptpersonen dergleichen haben müssen.(X/167-169)
 
Zitat 10 Stil
 
(…) die hohe Schreibart (…) Die beste Regel, die man hier geben kann, ist, die Natur eines jeden Affekts im gemeinen Leben zu beobachten und dieselbe aufs genaueste nachzuahmen. (X(169f.)
 
 
Zitat 11 Musik
 
Weil aber diese [die reine Instrumentalmusik] die Zuschauer ganz aus der Aufmerksamkeit auf die vorigen Vorstellungen bringen, so fragt sich`s, ob es nicht möglich wäre, anstatt der alten Oden des Chores eine nach unsrer Art eingerichtete Cantata von etlichen Vokalisten absingen zu lassen: Aber eine solche, die sich allezeit zu den kurz zuvor gespielten Begebenheiten schickte und folglich moralische Betrachtungen darüber anstellete. (X/ 172)
 
 
Zitat 12 Inszenierung
 
(…) Maschinen (…) Erscheinungen der Götter (…) Zaubereien (…) Kleidungen (…) sie schicken sich vor unsre aufgeklärte Zeiten nicht mehr. (…) Aussprache und Gebärden der spielenden Personen. Hierauf kommt in der Vorstellung eines Trauer-Spieles fast alles an. (…) [In dem Horaz-Zitat] steckt hauptsächlich die Regel, ein guter Komödiante müsse dasjenige erst bei sich zu empfinden bemüht sein, was er vorzutragen willens ist (…). Schließlich muß ich erinnern, daß die Auftritte oder Szenen in einer Handlung allezeit miteinander verbunden sein müssen: damit die Bühne nicht eher ganz ledig werde, bis die ganze Handlung aus ist. (X/172-176)
 
 
Zitat 13 Ursprung der Komödie
 
Die Komödie ist wenigstens dem Namen nach jünger als das Trauer-Spiel: denn in der Tat waren sie vor alters einerlei (…) (XI/176)
 
 
Zitat 14 Definition
 
Die Komödie ist nichts anders als eine Nachahmung einer lasterhaften Handlung, die durch ihr lächerliches Wesen den Zuschauer belustigen, aber auch zugleich erbauen kann. (XI/ 186)
 
 
Zitat 15 Inhalt
 
Es ist wohl zu merken, daß weder das Lasterhafte noch das Lächerliche vor sich allein in die Komödie gehöre: sondern beides zusammen, wenn es in einer Handlung verbunden angetroffen wird. (…) Nach dieser Regel [lächerlicher und lasterhafter Inhalt] ist es leicht, alle Komödien zu beurteilen: wo man denn finden wird, daß eine große Menge nicht nach den Regeln der Vernunft gemacht sind. (XI/186f.)
 
 
Zitat 16 Innere Form der Komödie
 
Die Fabeln der Komödie werden also auf ebendie Art gemacht als die tragischen; und können ebensowohl in schlechte, einfache oder gemeine (…) und in verworrene, die eine Entdeckung oder doch einen Glücks-Wechsel haben, eingeteilt werden. (…) [Ungeachtet der Art] haben doch alle ihren gewissen Knoten, der sich im Anfange der Komödie einwickelt und hernach zuletzt geschickt und wahrscheinlich auflöset. (XI/188f.) Die ganze Fabel einer Komödie muss (…) die Einheit der Zeit und des Ortes (…) beobachten. (XI/190)
 
 
Zitat 17 Personen
 
Die Personen, die zur Komödie gehören, sind orgentliche Bürger oder doch Leute von mäßigem Stande. Nicht als wenn die Großen dieser Welt etwa keine Torheiten zu begehen pflegten, die lächerlich wären: Nein, sondern weil es wider die Ehrerbietung läuft, die man ihnen schuldig ist, sie als auslachenswürdig vorzustellen. (XI/189) Die Namen der Personen dörfen in einer Komödie nicht aus der Historie genommen werden (…). (XI/ 195)
 
 
Zitat 18 Äußere Form
 
Die Einteilung derselben muß ebensowohl wie oben in fünf Handlungen geschehen. (…) Man zählt aber die Szenen nach dem Auf- und Abtritte einer Person. Sobald eine kommt oder eine weggeht, rechnet man eine neue Szene (…) daß die Bühne niemals ganz leer werden müsse (…). Kluge Leute aber pflegen nicht laut zu reden, wenn sie allein sind. (XI/190f.)
 
 
Zitat 19 Charaktere
 
Man muß die Natur und Art der Menschen zu beobachten wissen, jedem Alter, jedem Stande, jedem Geschlechte, jedem Volke solche Neigungen und Gemütsarten geben, als wir von ihnen gewohnt sind. (XI/191)
 
 
Zitat 20 Wirkungsabsicht
 
Von den Affekten ist hier ebenfalls nichts Neues zu sagen, als daß man die tragischen, nämlich die Furcht, das Schrecken und Mitleiden, zu vermeiden habe. [Die Komödienschreiber] mögen sich nur in acht nehmen, daß sie in der [Liebe] nicht die Gesetze der Schamhaftigkeit und Zucht, in der [Lustigkeit] aber die Ehrbarkeit aus den Augen setzen. (XI/192f.)
 
 
Zitat 21 Stil
 
Es muß also eine Komödie eine ganz natürliche Schreibart haben, und wenn sie gleich in Versen gesetzt wird, doch die gemeinsten Redensarten beibehalten. (…) Nur es muß keine poetische Schreibart darinnen herrschen und außer dem Silbenmaße sonst nichts Gleißendes oder Gekünsteltes dabei vorkommen. (…) das Lächerliche der Komödien muß mehr aus den Sachen als Worten entstehen. (XI/193)
 
 
Zitat 22 Inszenierung
 
Maschinen müssen in Komödien nicht vorkommen (…) weil es nicht mehr wahrscheinlich ist. (XI/195)
 
 
Zitat 23 Musik
 
Denn daß die ganze Komödie abgesungen und mit einer Instrumental-Musik wäre begleitet worden, davon findet man nicht die geringsten Spuren. (XI/196)
 

 

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