Gottsched – Sterbender Cato – Übersicht

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Johann Christoph Gottsched: Sterbender Cato

 

Vorrede

Gottsched nennt Corneille mit Cid, Maffei mit Merope und Addison mit Cato, seine Critische Dichtkunst, und kritisiert, in Deutschland gebe es zwar Naturtalente, aber keinen, der die Regeln beherrscht.

Lohensteins Trauerspiele sind, wie Opitz` Übersetzung von Sophokles Antigone schlecht, Boileaus und Molières gut. Die Aufführungen der Theater sind schwülstig und unnatürlich, nur „Der Streit zwischen Liebe und Ehre oder Roderich und Chimene“ ist hervorhebenswert, Gottsched wünscht sich aber von Hofmanns Theatertruppe die Aufführung von Gryphius „Horribilicribrifax“.

Gottsched sucht in Poetiken nach Regeln der Schaubühne (Aristoteles, Causabonus, Rappolt, Corneille, Racine, La Grange, La Motte, Molière, Voltaire, Brumois, Riccoboni).

Gottsched spricht von seinem Weg zum Cato; er lobt das englische und das französische Trauerspiel zu Cato. Gottsched will nicht dem englischen Cato folgen, da ihm die „ordentliche Einrichtung“ fehle; besser gefiel ihm der französische Cato, da dieser eher nach den Regeln des Aristoteles  handelte. Addisons Fehler sind das Epische und die fehlende kausale Fügung, Deschamps Fehler ist, gegen die Historie und gegen den philosophischen Charakter Catos geschrieben zu haben.

Gottsched übernimmt Teile aus dem französischen und dem englischen Cato und baut den aristotelischen Fehler ein und will das Mitleiden seiner Zuhörer wecken, um Schrecken und Erstaunen zu wecken, der Erfolg liegt darin, den Zuschauern Tränen auszupressen.

Die Erste Abhandlung
Erster Auftritt

Phenice gesteht Arsene ihre Liebe zu dem unbekannten römischen Parther und lobt Cato als Mann von großer Standhaftigkeit.

Zweiter Auftritt

Cato meldet Arsene den Tod Arsaces und erneuert mit ihr den Bund gegen Caesar und für das republikanische Rom der Senatoren. Arsene gibt Cato ihren Hass auf Pharnaces bekannt, ebenso Pharnaces Mord an Arsenes Bruder.

Dritter Auftritt

Phocas (Diener) und Artabanus (Parther) entdecken Cato, dass der verstorbene Arsace, König der Parther, die Tochter des Cato aufzog und ihr das Partherreich vermachte. (Brief des verstorbenen Arsace)

Vierter Auftritt

Cato und Phocas beraten; Cato will Arsene ihres Amtes entheben und auf das Schicksal, welches ihm die feindlichen Parther in die Hände spielt, verzichten, aus Tugend. Phocas rät das Gegenteil.

Fünfter Auftritt

Pharnaces bietet Cato an, seine Soldaten gegen Caesar zu stellen, wenn er dafür Arsenes erhält; damit hofft Pharnaces, ein Königreich zu gewinnen; doch Cato sagt, sie ist keine Königin, eine Ehe komme nicht in Frage, worauf Pharnaces die Hilfe absagt, worauf Cato dann auch verzichtet.

Sechster Auftritt

Felix will Cato ebenfalls überreden, Cato lehnt aber ab und schickt Pharnaces selbst zu Cäsar, zum Feind.

Siebter Auftritt

Nach Catos Zurückweisung will Pharnaces auf Cäsars Seite wechseln, will ihm Cato ans Messer liefern, um Pontas und Arsenes Reich zurückzuerlangen. Felix warnt ihn vor Cäsars Tugend, Pharnaces aber will mit Lastern zum Ziel – er hasst die Römer, ihm ist jedes Mittel zur Rache recht.

Die andere Abhandlung
Erster Auftritt

Domitius wird von Phocas nach guten Nachrichten ausgefragt, aber Domitius sagt nichts; Phocas geht und Domitius monologisiert von Cäsars Liebe zu Arsene.

Zweiter Auftritt

Cato kommt und will die Botschaft hören, doch streiten sich die beiden um die Tugend ihrer Lager (republikanisch vs. Cäsar), sie vereinbaren einen Besuch Cäsars in Utica.

Dritter Auftritt

Arsene behauptet gegenüber Domitius, Cäsar nicht zu lieben

Vierter Auftritt

Pharnaces will Arsene zur Flucht aus Utica überreden, doch sie wendet sich angewidert von ihrem Mann und Bräutigam ab.

Fünfter Auftritt

Portius (Sohn Catos) geht zwischen Arsene und Pharnaces, schützt die eine, weist den anderen zurück.

Sechster Auftritt

Pharnaces verwirrt Portius, indem er Arsenes wahre Herkunft und wahren Stand entdeckt. Portius liebt Arsene wohl und will Pharnaces Behauptung prüfen. Pharnaces ist auf den Schaden Portius und Catos aus.

Siebter Auftritt

Pharnaces schickt Felix zu den Schiffen, um Soldaten für einen Überfall auf Catos Schloss und ihn selbst zu holen; alles soll zerstört werden, um von Cäsar das Partherreich zu erhalten.

Dritte Handlung
Erster Auftritt

Cäsar in Utica, doch vor Cato will er Arsene sehen; er gibt sich groß, aber auch milde im Herrschen vor den Völkern und vor Utica, das Waffenstillstand mit ihm vereinbart hat.

Zweiter Auftritt

Cäsar und Arsene gestehen sich ihre Liebe (Cäsar ist der unbekannte Römer, den Arsene liebt). Arsene nennt Pharnaces und Cato als Hindernisse – nebst dem krieg – eines Bundes.

Dritter Auftritt

Cäsar macht Cato den Vorschlag, mit ihm die Macht zu teilen; Cato lehnt brüsk ab: Cäsar sei Tyrann, ehrsüchtig und diktatorisch, ohne Tugend, ohne Vernunft – ohne Freiheit. Cato verfolgt stramm republikanische Grundsätze, Cäsar wähnt sich mit den Göttern und den Waffen für unbesiegbar. Cato will sein Volk fragen, ob sie Cäsar folgen wollen; er selbst will lieber sterben. Cäsar hält ihn für edel.

Vierter Auftritt

Cäsar und Pharnaces: Cäsar lehnt Pharnaces Anschlag auf Cato brüsk ab. Pharnaces will Arsene verführen.

Vierte Handlung
Erster Auftritt

Cato und sein Sohn Portius reden; Cato schwört Portius auf den Hass und die Wehr gegen Cäsar ein, beantwortet Portius Frage nach Arsenes Herkunft nicht.

Vierter Auftritt

Cato entdeckt Arsene ihre Herkunft; Cato verlangt von ihr, Cäsar und die Regentschaft übers Partherreich aufzugeben, se tut es unter Tränen; Portius gesteht seine Liebe, die zur Bruderliebe werden soll.

Dritter Auftritt

Cäsar sucht in Cato und Portia, ob Friede oder Krieg herrschen soll. Cato lehnt ab, den Frieden ab, Portia gesteht Cäsar ihre Liebe, die Cato verbot, Cäsar begreift erst nicht, doch Cato bleibt standhaft und versagt die Verbindung endgültig aus Ehrgründen.

Vierter Auftritt

Domitius bringt Cäsar, Cato, Portius und Portia Nachricht von Pharnaces missglücktem Überfall auf Utica; Marcus, Catos Sohn, erstach Pharnaces, wurde aber von diesem hinterrücks selbst erstochen.

Fünfter Auftritt

Cato ist beglückt, sein Sohn für Rom sterben gesehen zu haben und trägt in den Abschied von Phocas, Artabanus und Portius noch seinen unerschütterlichen republikanischen Glauben ein: Gesetz vor Person als Regierung. Er spricht von seinem Selbstmordgedanken und gibt die anderen frei, zu fliehen.

Fünfte Handlung
Erster Auftritt

Cato monologisiert über Tod, Leben, Sterben, Zweifel, Laster, Tugend, Schlaf und Geist: er fürchtet und fürchtet nicht das Sterben, und wird müde.

Zweiter Auftritt

Portius will den Vater vom Selbstmord abbringen, Cato gibt sich den Anschein, am Leben bleiben zu wollen und schickt Portius zu den zur Flucht bei den Schiffen wartenden Freunden

Dritter Auftritt

Portius berichtet Portia von seiner Hoffnung auf Catos Leben, sie fleht die Götter um Beistand an.

Vierter Auftritt

Hoffnung und Verzweiflung macht sich unter Portia und Phenice breit, Tod und Glück – Ungewissheit lässt Portia weinen.

Fünfter Auftritt

Phocas bewundert den schlafenden Cato und ist voll Hoffnung. Portia aber weint.

Sechster Auftritt

Artabanus kündigt das Näherkommen von Cäsars Heer an und gibt Cäsars letztes Friedensangebot an Cato bekannt, Phocas will Cato deswegen wecken.

Siebster Auftritt

Portius bringt Nachricht vom Hafen, Pompejus Sohn wolle Spaniens Hilfe wecken – doch da bricht aus Catos Zimmer Tumult heraus, Cato hat sich selbst tödlich verwundet.

Achter Auftritt

Cato, sterbend, macht Portius und Portia Mut, ihm in seiner Tugendhaftigkeit zu folgen; er fleht die Götter um Vergebung, falls er zu weit gegangen. Er stirbt.

 

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