Hegel – Ästhetik III – (Die dramatische Poesie)

image_pdfimage_print

 

Zitatübersicht zu Hegels Ästhetik III (Die dramatische Poesie) 

Zitat

 

Seiten*

Zitat

 

Seiten*

 

Übersicht der Schriften I

8

(III.3.a.) Prinzip zur Gattungseinteilung

306

 

Übersicht der Schriften II (Aus Folienübersicht)

9

(III.3.a.) Dramatische Gattungen

306f.

1

(III.) Definition Drama I

259

10

(III.3.a.) Hauptmomente von Tragödie und Komödie

312

2

(III.) Definition Drama II

259

11

(III.3.c.) Grundform der Tragödie

324

3

(III.1.a.) Inhalt und Zweck der Handlung

264f.

12

(III.3.a.) Konzeptionen der Komödie

315

4

(III.3.c.) Definition der Sittlichkeit

330

13

(III.3.c.) Definition „komisch“ und Komödie

337f.

5

(III.1.b.) Aufbau der Handlung

274

14

(III.3.b.) Romantisches Drama

322

6

(III.1.b.) Einheiten

267

15

(III.3.c.) Romantischer Charakter

345

7

(III.1.b.) Sprache und Stil

277

16

(III.3.c.) Einseitige und volle Charaktere

347

 

 

17

(III.3.c.) Ständeklausel

357

 

 

18

(III.3.c.) Gipfel und Ende

358f.

 

 

 

 
 

 

      * im Reclamheft  
G.W.F. Hegel: Vorlesung über die Ästhetik – Dritter Teil
 
 
Textgrundlage:
Ästhetik III. Die Poesie. Hrsg. Von Rüdiger Bubner. Stuttgart 1971.
 
 
Übersicht der Schriften I
 
A. Das poetische Kunstwerk im Unterschiede des prosaischen
B. Der poetische Ausdruck
C. Die Gattungsunterschiede der Poesie
I. Die epische Poesie
II. Die lyrische Poesie
III. Die dramatische Poesie
 
 
Übersicht der Schriften II
 
1. Das Drama als poetisches Kunstwerk
a. Das Prinzip der dramatischen Poesie
b. Das dramatische Kunstwerk
c. Verhältnis des dramatischen Kunstwerks zum Publikum
2. Die äußere Exekution des dramatischen Kunstwerks
a. Das Lesen und Vorlesen dramatischer Werke
b. Die Schauspielerkunst
c. Die von der Poesie unabhängigere theatralische Kunst
3. Die Arten der dramatischen Poesie und deren historische Hauptmomente
a. Das Prinzip der Tragödie, Komödie und des Dramas
b. Unterschied der antiken und modernen dramatischen Poesie
c. Die konkrete Entwicklung der dramatischen Poesie und ihrer Arten
 
 
 
Zitat 1 (III.) Definition Drama I
 
Das Drama muß, weil es seinem Inhalte wie seiner Form nach sich zur vollendetesten Totalität ausbildet, als die höchste Stufe der Poesie und der Kunst überhaupt angesehen werden. (259)
 
 
Zitat 2 (III.) Definition Drama
 
Denn den sonstigen sinnlichen Stoffen, dem Stein, Holz, der Farbe, dem Ton gegenüber, ist die Rede allein das der Exposition des Geistes würdige Element und unter den besonderen Gattungen der redenden Kunst wiederum die dramatische Poesie diejenige, welche die Objektivität des Epos mit dem subjektiven Prinzipe der Lyrik in sich vereinigt, indem sie eine in sich abgeschlossene Handlung als wirkliche, ebenso sehr aus dem Inneren des sich durchführenden Charakters entspringende als in ihrem Resultat aus der substantiellen Natur der Zwecke, Individuen und Kollisionen entschiedene Handlung in unmittelbarer Gegenwärtigkeit darstellt. (259)
 
 
Zitat 3 (III. 1.a.)Inhalt und Zweck der Handlung
 
Zugleich aber zweitens ist der Zweck und Inhalt einer Handlung dramatisch nur dadurch, daß er durch seine Bestimmtheit […] in anderen Individuen andere entgegenstehende Zwecke und Leidenschaften hervorruft. Dies treibende Pathos können nun zwar in jedem der Handelnden geistige, sittliche, göttliche Mächte sein, Recht, Liebe zum Vaterlande, zu den Eltern, Geschwistern, zur Gattin usf. […] Der wahrhafte Inhalt […] sind daher wohl die ewigen Mächte, das an und für sich Sittliche, die Götter der lebendigen Wirklichkeit, überhaupt das Göttliche und Wahre […]. (264f.)
 
 
Zitat 4 (III. 3.c.) Definition der Sittlichkeit
 
Der Hauptgegensatz, den besonders Sophokles nach Äschylus‘ Vorgang aufs schönste behandelt hat, ist der des Staats, des sittlichen Lebens in seiner geistigen Allgemeinheit, und der Familie als der natürlichen Sittlichkeit. Dies sind die reinsten Mächte der tragischen Darstellung, indem die Harmonie dieser Sphären und das einklangsvolle Handeln innerhalb ihrer Wirklichkeit die vollständige Realität des sittlichen Daseins ausmacht. (330)
 
 
Zitat 5 (III. 1.b.)Aufbau der Handlung
 
Der Zahl nach hat jedes Drama am Sachgemäßesten drei solcher Akte, von denen der erste das Hervortreten der Kollision exponiert, welche sodann im zweiten sich lebendig als Aneinanderstoßen der Interessen, als Differenz, Kampf und Verwicklung auftut, bis sie dann endlich im dritten auf die Spitze des Widerspruchs getrieben sich notwendig löst. (274)
 
 
Zitat 6 (III. 1.b.) Einheiten
 
Dieser engere Zusammenhalt ist sowohl objektiver als subjektiver Natur: objektiv nach seiten des sachlichen Inhalts der Zwecke, welche die Individuen kämpfend durchführen; subjektiv dadurch, daß dieser in sich substantielle Gehalt im Dramatischen als Leidenschaft besonderer Charaktere erscheint, so daß nun das Mißlingen oder Durchsetzen, das Glück oder Unglück, der Sieg oder Untergangwesentlich in ihrem Zweck die Individuen selber trifft. Als nähere Gesetze lassen sich die bekannten Vorschriften der sogenannten Einheit des Orts, der Zeit und der Handlung angeben. (267)
 
 
Zitat 7 (III. 1.b.) Sprache und Stil
 
Das echt Poetische wird deshalb darin bestehen, das Charakteristische und Individuelle der unmittelbaren Realität in das reinigende Element der Allgemeinheit zu erheben und beide Seiten sich miteinander vermitteln zu lassen. Dann fühlen wir auch in betreff auf Diktion, daß wir, ohne den Boden der Wirklichkeit und deren wahrhafte Züge zu verlassen, uns dennoch in einer anderen Sphäre, im ideellen Bereiche nämlich der Kunst, befinden. (277)
 
 
Zitat 8 (III. 3.a.)Prinzip zur Gattungseinteilung
 
Die dramatische Poesie endlich, welche Kollisionen von Zwecken und Charakteren sowie die notwendige Auflösung solch eines Kampfes zum Mittelpunkte macht, kann das Prinzip ihrer unterschiedenen Arten nur aus dem Verhältnisse herleiten, in welchem die Individuen zu ihrem Zwecke und dessen Inhalt stehen. (306)
 
 
Zitat 9 (III. 3.a.) Dramatische Gattungen
 
[…] erstens für die Tragödie ihrem substantiellen ursprünglichen Typus nach; zweitens für die Komödie, in welcher die Subjektivität als solche in Wollen und Handeln sowie die äußere Zufälligkeit sich zum Meister aller Verhältnisse und Zwecke macht; drittens für das Drama, Schauspiel im engeren Sinne des Worts, als Mittelstufe zwischen diesen beiden ersteren Arten. (306f.)
 
 
Zitat 10 (III. 3.a.) Hauptmomente von Tragödie und Komödie
 
Wenn nun in der Tragödie das ewig Substantielle in versöhnender Weise siegend hervorgeht, indem es von der streitenden Individualität nur die falsche Einseitigkeit abstreift, das Positive aber, was sie gewollt, in seiner nicht mehr zwiespaltigen, affirmativen Vermittlung als das zu Erhaltende darstellt, so ist es in der Komödie umgekehrt die Subjektivität, welche in ihrer unendlichen Sicherheit die Oberhand behält. (312)
 
 
Zitat 11 (III. 3.c.) Grundform der Tragödie
 
Was nun erstens die Tragödie angeht, so sagte ich bereits, daß die Grundform, durch welche sich ihre ganze Organisation und Struktur bestimmt, in dem Herausheben der substantiellen Seite sowohl der Zwecke und ihres Inhalts als auch der Individuen und ihres Kampfes und Schicksals zu suchen sei. (324)
 
 
Zitat 12 (III. 3.a.) Konzeptionen der Komödie
 
Komischer daher ist es, wenn an sich kleine und nichtige Zwecke zwar mit dem Anschein von großem Ernst und umfassenden Anstalten zustande gebracht werden sollen, [das] Subjekt aber, wenn es sein Vorhaben verfehlt, […] sich in freier Heiterkeit aus diesem Untergang erheben kann. Das umgekehrte Verhältnis zweitens findet dann statt, wenn sich die Individuen zu substantiellen Zwecken und Charakteren aufspreizen, für deren Vollbringung sie aber als Individuum das schlechthin entgegengesetzte Instrument sind. […] Ein drittes Element zu diesen beiden ersten bildet der Gebrauch der äußeren Zufälle. (315)
 
 
Zitat 13 (III. 3.c.) Definition „komisch“ und Komödie
 
Komisch nämlich, wie wir sahen, ist überhaupt die Subjektivität, die ihr Handeln durch sich selber in Widerspruch bringt und auflöst, dabei aber ebenso ruhig und ihrer selbst gewiß bleibt. Die Komödie hat daher das zu ihrer Grundlage und ihrem Ausgangspunkte, womit die Tragödie schließen kann: das in sich absolut versöhnte, heitere Gemüt, das, wenn es auch sein Wollen durch seine eigenen Mittel zerstört und an sich selber zuschanden wird, weil es aus sich selbst das Gegenteil seines Zwecks hervorgebracht hat, darum doch nicht seine Wohlgemutheit verliert. (337f.)
 
 
Zitat 14 (III. 3.b.) Romantisches Drama
 
In der modernen, romantischen Poesie dagegen gibt die persönliche Leidenschaft, deren Befriedigung nur einen subjektiven Zweck betreffen kann, überhaupt das Schicksal eines besonderen Individuums und Charakters in speziellen Verhältnissen den vornehmlichen Gegenstand. (322)
 
 
Zitat 15 (III. 3.c.) Romantischer Charakter
 
Die romantischen Charaktere hingegen stehen von Anfang an mitten in einer Breite zufälligerer Verhältnisse und Bedingungen, innerhalb welcher sich so und anders handeln ließe, so daß der Konflikt, zu welchem die äußeren Voraussetzungen allerdings den Anlaß darbieten, wesentlich in dem Charakter liegt, dem die Individuen in ihrer Leidenschaft nicht um der substantiellen Berechtigung willen, sondern weil sie einmal das sind, was sie sind, Folge leisten. (345)
 
 
Zitat 16 (III. 3.c.) Einseitige und volle Charaktere
 
Denn selbst wenn irgendeine bloß formelle Leidenschaft, wie z. B. im »Macbeth« die Herrschsucht, im »Othello« die Eifersucht, das ganze Pathos seiner tragischen Helden in Anspruch nimmt, verzehrt dennoch solch eine Abstraktion nicht etwa die weiterreichende Individualität, sondern in dieser Bestimmtheit bleiben die Individuen immer noch ganze Menschen. (347)
 
 
Zitat 17 (III. 3.c.) Ständeklausel
 
Eine so franke Lustigkeit aber, wie sie als stete Versöhnung durch die ganze Aristophanische Komödie geht, belebt diese Art der Lustspiele nicht, ja sie können sogar abstoßend werden, wenn das in sich selbst Schlechte, die List der Bedienten, die Betrügerei der Söhne und Mündel gegen würdige Herrn, Väter und Vormünder, den Sieg davonträgt, ohne daß diese Alten selbst sich von schlechten Vorurteilen oder Wunderlichkeiten bestimmen lassen, um derentwillen sie in dieser ohnmächtigen Torheit lächerlich gemacht und den Zwecken anderer preisgegeben werden dürften.  (357)
 
 
Zitat 18 (III. 3.c.) Gipfel und Ende
 
Doch auf diesem Gipfel führt die Komödie zugleich zur Auflösung der Kunst überhaupt. […] Stellt nun aber die Komödie diese Einheit nur in ihrer Selbstzerstörung dar, indem [sich] das Absolute […] durch die […] Elemente der Wirklichkeit […] zernichtet sieht — so tritt die Gegenwart und Wirksamkeit des Absoluten nicht mehr […] hervor, sondern macht sich nur in der negativen Form geltend, daß alles ihm nicht Entsprechende sich aufhebt und nur die Subjektivität […] sich gesichert zeigt. (358f)

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.