Kleist – Prinz von Homburg – Übersicht

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Heinrich von Kleist: Der Prinz von Homburg – Übersicht

 

– Entstehung zwischen 1809-1811; Uraufführung 1821

– Historischer Stoff: Zeit der Handlung: Juni 1675

– Gattungsbezeichnung: „Ein Schauspiel“ – tragische Zuspitzung, aber „Happy End“

– 5 Akte, relativ häufiger Ortswechsel

– letztes Drama Kleists

 

Akt/Szene   Ort   Personen   Inhalt

 

1/1   Fehrbellin. Ein Garten im alt-französischen Stil. Im Hintergrund ein Schloss, von welchem eine Rampe herabführt. Es ist Nacht.   Prinz von Homburg, Der Kurfürst, seine Gemahlin Prinzessin Natalie, der Graf von Hohenzollern, Rittmeister Golz

 

  Der Prinz liegt schlafwandelnd unter einer Eiche und windet sich einen Lorbeerkranz. Der Kurfürst und die anderen beobachten ihn dabei. Sie nähern sich dem Prinzen und der Kurfürst nimmt ihm den Kranz weg, bindet seine Kette darum und gibt ihn der Prinzessin Natalie. Der Prinz folgt Natalie, die er anzubeten scheint und kann einen Handschuh von ihr erhaschen. Die anderen gehen ab ins Schloss, der Kurfürst lässt den Prinzen mit dem Kommentar zurück, dass man einen Siegeskranz nur in einer Schlacht bekommen kann.

Es ist der Vorabend einer großen Schlacht gegen die Schweden.

 

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      Der Prinz bleibt alleine verwirrt zurück. (Regieanweisung)
1/3    

 

  Graf von Hohenzollern, Page tritt hinzu   Der Page teilt dem Grafen mit, dass er dem Prinzen nichs von dem Streich des Kurfürsten sagen soll und geht wieder ab.
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  Graf von Hohenzollern, Prinz von Homburg   Der Graf von Hohenzollern macht ihn darauf aufmerksam, dass sein Trupp bereits vor einer Stunde losgeritten ist. Der Prinz weiß nicht wie er dorthin gekommen ist und erinnert sich nicht an die Prinzessin. Er glaubt er habe das alles geträumt.
1/5   Saal im Schloss

 

  Kurfürstin, Prinzessin Natalie, Kurfürst, Feldmarschall Dörfling, der Prinz von Homburg, der Graf von Hohenzollern, Graf Truchseß, Obrist Hennings, Rittmeister von der Golz und mehrere andere, Generale, Obersten und Offiziere.   Der nächste Morgen: Feldmarschall Dörfling gibt den versammelten Offizieren die Befehle für die Schlacht aus. Homburg achtet mehr auf die im gleichen Saal ihre Abreise vorbereitende Kurfürstin und Prinzessin Natalie als auf die Befehlsausgabe und überreicht Natalie ihren linken Handschuh, als sie diesen sucht.

Mit einer erinnernden Mahnung an den Prinzen wegen vergangener Fehler bricht der Kurfürst in die Schlacht auf.

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  Prinz von Homburg   (In den Vordergrund tretend) In einem kurzen Monolog zeigt sich der Prinz gewiss, mit dem Sieg auch bald sein Glück in Händen zu halten
2/1   Schlacht-feld bei Fehrbellin

 

  Obrist Kottwitz, Graf Hohenzollern, Rittmeister von der Golz, andere Offiziere   Der Prinz erreicht das Schlachtfeld wegen eines belanglosen Reitunfalls verspätet.

 

2/2    

 

  Prinz von H. kommt hinzu   Er lässt sich zwar vom Grafen Hohenzollern seine Ordre noch einmal wiederholen, ist aber abgelenkt und in Gedanken. Der brandenburgische Erfolg reißt ihn so mit, dass er befiehlt, die Fanfare zu blasen und in die Schlacht einzugreifen. Die Erinnerung des Obersten Kottwitz an die Order wird vom Prinzen mit dem Hinweis abgewunken denn man muss seine Ordre auch „vom Herzen“ empfangen können. Er nehme die Entscheidung auf seine Kappe. Einen Offizier, der ihn an der Missachtung des kurfürstlichen Befehls hindern will, lässt er sogar gefangen nehmen.
2/3   Stube im Haus des Bauern

 

  Hofkavalier, Bauer und seine Frau   Der Hofkavalier bittet den Bauern, die Kurfürstin und die Prinzessin aufzunehmen, denn ein Flucht ist nun aufgrund des Sieges über die Schweden nicht mehr nötig.
2/4    

 

  Kurfürstin und Natalie hinzu   Die Kurfürstin hat die Nachricht erhalten, dass der Kurfürst tot ist. Die muss gestützt werden. Sie will den Unglücksboten selber sprechen.
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  Rittmeister von Mörner tritt verwundet auf   Er berichtet dass er mit eigenen Augen gesehen hat wie der Kurfürst auf seinem Schimmel tödlich von Kugeln auf dem Schlachtfeld getroffen wurde. Die Kurfürstin will alles haarklein berichtet bekommen.
2/6    

 

  Prinz von Homburg hinzu   Prinz nimmt sich Natalies an und bedauert sie. Er nimmt sich Natalies Sorge um das Reich an und empfiehlt sich erfolgreich als ihr Beschützer. Sie stimmt zu lehnt sich an seinen Brust, er küsst sie. Sie reißt sich aber wieder los und dreht sich wieder der Mutter zu.
2/7    

 

  Wachtmeister tritt eilig auf   Er überbringt dir Nachricht, dass der Kurfürst noch lebt.
2/8    

 

  Graf Georg von Sparren wird vom Wachtmeister hereingeholt   Er berichtet, dass durch einen Pferdewechsel Stallmeister Froben an Stelle des Kurfürsten gefallen sei. Zudem zeigt er sich überrascht, dass der Prinz völlig uninformiert ist. Der Kurfürst ist in Berlin, alle Generäle sollen ihm dorthin folgen. Die Kurfürstin nimmt den Prinzen mit nach Berlin und gewährt ihm wegen der glücklichen Ereignisse einen Wunsch.
2/9   Berlin. Lustgarten vor dem alten Schloss

 

  Der Kurfürst, Feldmarschall Dörfling, Obrist Hennings, Graf Truchß, und mehrere andere Obristen und Offiziere.   In Berlin beabsichtigt der Kurfürst, den Führer der Reiterei, der sich nicht an die Order gehalten hat, vor ein Kriegsgericht zu stellen, nachdem er sich vergewissert hat, dass es der Prinz wegen eines schweren Reitunfalls nicht gewesen sein kann.
2/10    

 

  Prinz von Homburg, Obrist Kottwitz, Graf Hohenzollern, Rittmeister Golz, Graf Reuß treten auf   Als der Prinz jedoch gesund die von ihm erbeuteten schwedischen Fahnen vor dem Kurfürsten niederlegt, lässt ihn dieser gefangen nehmen.
3/1   Fehrbellin, Gefängnis

 

  Der Graf von Homburg, 2 Wachen, der Graf v. Hohenzollern tritt auf   Graf Hohenzollern informiert den Prinzen, dass man ihn zwar zum Sieger der Schlacht benannt hat, aber der Kurfürst das Todesurteil unterschreiben will, das das Kriegsgericht gegen ihn verhängt hat. Der Prinz jedoch ist sich sicher, dass der Kurfürst, zu dem er wie zu einem Vater steht, ihn begnadigen wird. Erst als er erfährt, dass Natalie, der er sich verlobt fühlt, sich geweigert hat, sich um des Friedens willen schwedisch zu verehelichen, sieht er sich zum Handeln veranlasst und will den Kerker verlassen um mit ihr zu sprechen.
3/2    

 

  Offizier kommt hinzu   Er lässt ihn gehen weil er ihn nicht als seinen Gefangenen betrachtet.
3/3   Zimmer der Kurfürstin

 

  Kurfürstin und Natalie   Die Schweden haben das Schloss verlassen, die Kurfürstin will Natalie helfen sich zum Prinz von Homburg rauszuschleichen und ihn zu retten.
3/4    

 

 

  Hofdame tritt auf   Die Hofdame kündigt den beiden Frauen an, dass er gerade vor der Tür steht und um Gehört bittet. Sie wollen ihn eintreten lassen.
3/5    

 

  Der Prinz tritt auf.

Die Vorigen.

  Er fleht darum, sein nacktes Leben zu retten, weil er das für ihn bereits ausgehobene Grab gesehen habe. Er appelliert an die mütterliche Verantwortung der Kurfürstin und ist selbst bereit, auf Natalie zu verzichten, der er empfiehlt, in ein Jungfrauenstift einzutreten. Beide Frauen sagen zu, alles ihnen Mögliche zu unternehmen und fordern ihn auf, in sein Gefängnis zurückzukehren.
4/1   Zimmer des Kurfürsten

 

  Kurfürst, Natalie   Natalie appelliert an die Milde des Kurfürsten, doch der erklärt, dass er sich auch dem juristischen Prozess zu unterwerfen habe. Natalie erkennt zwar die Notwendigkeit einer stattlichen Ordnung an, das Fehlen „lieblicher Gefühle“ habe jedoch ein Heldenherz geknickt: der Prinz flehe um Gnade. Der Kurfürst will ihn in dem Fall begnadigen, „wenn er den Spruch für ungerecht halten kann.“ Sie selbst soll dem Prinzen den Brief übergeben.
4/2   Zimmer der Prinzessin

Natalie

  Natalie, zwei Hofdamen und der Rittmeister, Graf Reuß   Im Schloss wird sie als Regimentschefin von Graf Reuss gebeten, eine von Oberst Kottwitz formulierte und von dreißig Offizieren unterschriebenen Bittschrift für den Prinzen ebenfalls zu unterzeichnen. Natalie stellt einen Befehl aus, der Kottwitz und seine Truppen nach Berlin beordert. Sie gehen zusammen ins Gefängnis zum Prinzen.
4/3   Gefängnis

 

  Prinz v. Homburg   Der Prinz sinniert über die Endlichkeit des Lebens. (kurzer Monolog)
4/4    

 

  Prinzessin Natalie tritt auf, geführt von dem Rittmeister. Graf Reuß, Hofdamen, Prinz v. H.   Natalie liest ihm die Bedingung der Begnadigung vor und drängt zu einer schnellen, rettenden Antwort. Der Prinz jedoch verweigert die Unterschrift, weil auch er sich durch Pflicht und Ehre an das Gesetz gebunden fühlt und einen Gnadenakt wünscht.
5/1   Saal im Schloss

 

  Kurfürst, Graf Truchß, Graf Hohenzollern, und der Rittmeister von der Golz   Der Kurfürst erstaunt, dass Kottwitz in Berlin ist. Er erfährt von Golz, dass sich die gesamte Generalität im Rathaus versammelt hat. Man weiß nicht wozu.
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  Kurfürst   Wundert sich, schlägt aber keinen Alarm.
5/3    

 

  Feldmarschall Dörfling tritt auf   Feldmarschall Dörfling warnt nervös vor einer Rebellion, die seiner Meinung nach nur durch die Begnadigung des Prinzen verhindert werden kann.
5/4    

 

  Zwei Heiducken treten auf   Sie überbringen einen Brief. Der Kurfürst liest das eintreffende Schreiben des Prinzen, ruft nach dem Todesurteil, dem schwedischen Gesandten und den Obristen.
5/5    

 

  Obrist Kottwitz, Obrist Hennings, Graf Truchß, Graf Hohenzollern, Sparren, Graf Reuß, Rittmeister von der Golz, Stranz, und andre Obristen und Offiziere. Die Vorigen.   Oberst Kottwitz belegt dem Kurfürsten, dass er auf Befehl in Berlin weilt und übergibt die Bittschrift der Offiziere zugunsten des Prinzen. Während der Kurfürst erneut das Gesetz verteidigt, argumentiert Kottwitz mit den Argumenten Freiheit, Pragmatismus, Tapferkeit und Loyalität.

Graf Hohenzollern hält dem Kurfürsten vor, er selber trage die Schuld, weil er durch seinen Scherz am Vorabend der Schlacht dem Prinzen geradezu sein Verhalten vorgeschrieben habe. Denn dieser war durch die Geschehnisse derart verwirrt, dass er gedanklich kaum anwesend war und nur noch diesem Traum, den er als Zeichen Gottes wahrnahm, nacheiferte.

5/6    

 

  Ein Offizier tritt auf. Die Vorigen.   Der Prinz wird angekündigt. Der Offizier berichtet, dass der Prinz zuvor noch auf den Kirchhof  wollte.
5/7    

 

  Der Prinz kommt hinzu   Der Prinz beansprucht in der Runde der Offizier aus Patriotismus für sich das Recht des Gesetzes, nämlich zu sterben. Seinem letzten Wunsch, der Kurfürst möge den Frieden nicht durch eine Verheiratung Natalies erkaufen, wird stattgegeben.

 

5/8    

 

  Natalie, Kurfürstin und Hofdamen zu den Vorigen hinzu.   Prinz soll zum Richtplatz geführt werden. Er geht freiwillig. Natalie fertig mit den Nerven.
5/9    

 

  Die Vorigen ohne den Prinzen   Kurfürst zerreißt das Todesurteil, nachdem Kottwitz sich erneut für den Prinzen ausgesprochen hat und verkündet die Fortsetzung des Krieges in drei Tagen.
5/10   Schloß, mit der Rampe, die in den Garten hinabführt; wie im ersten Akt- es ist wieder Nacht

 

  Prinz, Rittmeister Stranz   Der Prinz wird mit verbundenen Augen durch das untere Gartengitter aufgeführt. Er will von der Welt Abschied nehmen.
5/11    

 

  Kurfürst, Kurfürstin, Natalie, Feldmarschall Dörfling, Obrist Kottwitz, Hohenzollern, Golz usw.   Die Augen werden ihm geöffnet, Natalie setzt ihm einen Lorbeerkranz auf, sie hängt ihm die Kette um und drückt seine Hand an ihr Herz. Der Prinz fällt in Ohnmacht, während Kottwitz ihn hochleben lässt. Alle brechen motiviert in die Schlacht auf. Der Prinz fragt sich ob alles ein Traum war.

 

 

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