Lessing – Abhandlungen und Briefe zur Kunst

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Zitatübersicht zu Lessings Abhandlungen und Briefe zur Kunst

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1

I. Abhandlungen … Figuren der Tragödie

9-10

11 IV. Briefe… Siebzehnter Brief Gottsched

35

2

I. Abhandlungen … Die wahre Komödie

13-14

12 IV. Briefe… Siebzehnter Brief Initiierung

37

3

I. Abhandlungen … Zweck der Komödie

15

13 IV. Briefe… Siebzehnter Brief Vorbilder

37

4

III. Brief…an Nicolai (Nov. 1756) Leidenschaften

23

14

V. Laokoon Vorhaben

50-51

5

III. Brief…an Nicolai (Nov. 1756) Mitleid als Leiter

24

15

V. Laokoon Gesetz der Griechen

60

6

III. Brief…an Nicolai (Nov. 1756) Tragödie

24-25

16

V. Laokoon Schranken der Kunst

64

7

III. Brief…an Nicolai (Nov. 1756) Komödie

25

17

V. Laokoon Schmerz und Bühne

67

8

III. Brief…an Nicolai (Nov. 1756) Nutzen des Dramas

25

18

V. Laokoon Handlungsbegriff

69

9

III. Brief…an Mendelsohn (Nov. 1756) Eigenschaften der Figuren

28

19

V. Laokoon Hässlichkeit

86

10

III. Brief…an Nicolai (Apr. 1757) Aristoteles` Phobos

35

20

V. Laokoon Das Eckelhafte

92-93

* im Reclamheft  
     

 

Gotthold Ephraim Lessing: Abhandlungen und Briefe zur Kunst – Erster Teil
 
 
Er verfertigte
mit Kleister und Scheere
seinen Cato
 
 
Textgrundlage: G. E. Lessing: Literaturtheoretische und ästhetische Schriften. Herausgegeben von Albert Meier, Reclam 2006
 
 
Übersicht der Schriften
 
 
I. Abhandlung von dem weinerlichen oder rührenden Lustspiele
II. Pope ein Metaphysiker
III. Briefwechsel über das Trauerspiel
IV. Briefe, die neueste Literatur betreffend, 17. Brief
V. Laokoon: oder über die Grenzen der Mahlerey und Poesie
VI. Hamburgische Dramaturgie
 
 
I. Abhandlungen … Figuren der Tragödie
 
[Für das Trauerspiel] hielt man es für unbillig, daß nur Regenten und hohe Standespersonen in uns Schrecken und Mitleiden erwecken sollten; man suchte sich also aus dem Mittelstande Helden, und schnallte ihnen den tragischen Stiefel an, in dem man sie sonst, nur ihn lächerlich zu machen, gesehen hatte. (…) Aus der zweyten Veränderung entstand das bürgerliche Trauerspiel. (Abhandlung/Seite 9 und 10)
 
 
I. Abhandlungen… Die wahre Komödie I
 
[Die] wahre[n] Komödien sind, welche so wohl Tugenden als Laster, so wohl Anständigkeit als Ungereimtheit schildern, weil sie eben durch diese Vermischung ihrem Originale, dem menschlichen Leben, am nächsten kommen. (…) [I]st doch eine Gesellschaft von lauter Thoren, beynahe eben so unwahrscheinlich, als eine Gesellschaft von lauter Klugen. (…) [N]ur durch die Nachahmung derselben ist es fähig, dem Volke nicht allein das, was es vermeiden muß, auch nicht allein das, was es beobachten muß, sondern beydes zugleich in einem Lichte vorzustellen, in welchem das eine das andre erhebt. (Abhdl./13f.)
 
 
I. Abhandlungen… Zweck der Komödie
 
Wie aber [aus der weinerlichen Komödie] eine Beßrung erfolgen könne, sehe ich nicht ein. (Abhdl./15)
 
 
III. Brief…an Nicolai (Nov. 1756) Leidenschaften
 
Das meiste wird darauf ankommen: was das Trauerspiel für Leidenschaften erregt. (…) Ich frage nicht, ob ihn [d.i., den Zuschauer] der Poet so weit bringt, daß er diese Leidenschaften in der spielenden Person billiget, sondern ob er ihn so weit bringt, daß er diese Leidenschaft selbst fühlt, und nicht blos fühlt, ein andrer fühle sie? Kurz, ich finde keine einzige Leidenschaft, die das Trauerspiel in dem Zuschauer rege macht, als das Mitleiden. (…) Schrecken und Bewunderung sind keine Leidenschaften, nach meinem Verstande. (Brief/23)
 
 
III. Brief…an Nicolai (Nov. 1756) Mitleid als Leiter
 
Die Staffeln sind also diese: Schrecken, Mitleid, Bewunderung. Die Leiter aber heißt: Mitleid; und Schrecken und Bewunderung sind nichts als die ersten Sprossen, der Anfang und das Ende des Mitleids. (Brief/24)
 
 
III. Brief…an Nicolai (Nov. 1756) Tragödie
 
[D]ie Bestimmung der Tragödie ist diese: sie soll unsre Fähigkeit, Mitleid zu fühlen, erweitern. (…) Der mitleidigste Mensch ist der beste Mensch (…). (Brief/24f.)
 
 
III. Brief…an Nicolai (Nov. 1756) Komödie
 
[Die Komödie] soll uns zur Fertigkeit verhelfen, alle Arten des Lächerlichen leicht wahrzunehmen. Wer diese Fertigkeit besitzt, wird in seinem Betragen alle Arten des Lächerlichen zu vermeiden suchen, und eben dadurch der wohlgezogenste und gesittetste Mensch werden. Uns so ist auch die Nützlichkeit der Komödie gerettet. (Brief/25)
 
 
III. Brief…an Nicolai (Nov. 1756) Nutzen des Dramas
 
Beyder Nutzen, des Trauerspiels sowohl als des Lustspiels, ist von dem Vergnügen unzertrennlich; denn die ganze Hälfte des Mitleids und des Lachens ist Vergnügen, und es ist großer Vortheil für den dramatischen Dichter, daß er weder nützlich, noch angenehm, eines ohne das andere seyn kann. (Brief/25)
 
 
III. Brief…an Mendelssohn (Nov. 1756) Eigenschaften der Figuren
 
Aber muß es eine bewundernswürdige Eigenschaft seyn? Nichts weniger. Es muß eine gute Eigenschaft seyn, deren ich den Menschen überhaupt, und also auch mich, fähig halte. Und diese Eigenschaft schließe ich so wenig aus dem Trauerspiele aus, daß vielmehr, nach meiner Meinung, gar kein Trauerspiel ohne sie besteht, weil man ohne sie kein Mitleid erregen kann. (Brief/28)
 
 
III. Brief…an Nicolai (Apr. 1757) Aristoteles` Phobos
 
Aristoteles erklärt das Wort Phobos* (…) das Trauerspiel soll unsre Leidenschaften durch das Mitleiden reinigen, wenn er nicht zugleich auch das Mittel hätte angeben wollen, wie diese Reinigung durch das Mitleiden möglich werde; und dieserwegen setzte er noch die Furcht hinzu, welche er für diese Mittel hielt. Jenes hat seine Richtigkeit; dieses aber ist falsch. Das Mitleiden reiniget unsere Leidenschaften, aber nicht vermittelst der Furcht, auf welchen Einfall Aristoteles sein falscher Begriff von dem Mitleiden gebracht hat. (Brief/35)
* Original in griechisch
 
 
IV. Briefe… Siebzehnter Brief Gottsched
 
„Niemand, sagen die Verfasser der Bibliothek, wird leugnen, daß die deutsche Schaubühne einen grossen Theil ihrer ersten Verbesserung dem Herrn Professor Gottsched zu danken habe.“ Ich bin dieser Niemand; ich leugne es gerade zu. Es wäre zu wünschen, daß sich Herr Gottsched niemals mit dem Theater vermengt hätte. Seine vermeinten Verbesserungen betreffen entweder entbehrliche Kleinigkeiten, oder sind wahre Verschlimmerungen. (17. Brief/35)
 
 
IV. Briefe… Siebzehnter Brief Initiierung
 
Denn ein Genie kann nur von einem Genie entzündet werden (…). (17. Brief/37)
 
 
IV. Briefe… Siebzehnter Brief Vorbilder
 
Auch nach den Mustern der Alten die Sache zu entscheiden, ist Shakespear ein weit grösserer tragischer Dichter als Corneille (…). (17. Brief/37)
 
 
V. Laokoon Vorhaben
 
Diesem falschen Geschmacke, und jenen ungegründeten Urtheilen entgegen zu arbeiten, ist die vornehmste Absicht folgender Aufsätze. (…) auch auf die übrigen Künste, deren Nachahmung fortschreitend ist, einige Rücksicht nehmen dürfte. (Vorrede/50f.)
 
 
V. Laokoon Gesetz der Griechen
 
Ich wollte bloß festsetzen, daß bey den Alten die Schönheit das höchste Gesetz der bildenden Künste gewesen sey. (II/60)
 
 
V. Laokoon Schranken der Kunst
 
Dasjenige aber nur allein ist fruchtbar, was der Einbildungskraft freyes Spiel läßt. (…) Über ihr [der höchsten Staffel] ist weiter nichts, und dem Auge das Äusserste zeigen, heißt der Phantasie die Flügel binden, und sie nöthigen, da sie über den sinnlichen Eindruck nicht hinaus kann, sich unter ihm mit schwächern Bildern zu beschäftigen, über die sie die sichtbare Fülle des Ausdrucks als ihre Grenze scheuet. (…) Ferner. Erhält dieser einzige Augenblick durch die Kunst eine unveränderliche Dauer: so muß er nichts ausdrücken, was sich nicht anders als transitorisch denken läßt. (III/64)
 
 
V. Laokoon Schmerz und Bühne
 
Das Drama, welches für die lebendige Mahlerey des Schauspielers bestimmt ist, dürfte vielleicht eben deswegen [direktes Zeigen] sich an die Gesetze der materiellen Mahlerey strenger halten müssen. (…) Je näher der Schauspieler der Natur kömmt, desto empfindlicher müssen unsere Augen und Ohren beleidiget werden (…). Zudem ist der körperliche Schmerz überhaupt des Mitleidens nicht fähig, welches andere Übel erwecken. (IV/67)
 
 
V. Laokoon Handlungsbegriff
 
Gegenstände, die neben einander oder deren Theile neben einander existiren, heissen Körper. Folglich sind Körper mit ihren sichtbaren Eigenschaften, die eigentlichen Gegenstände der Mahlerey. Gegenstände, die auf einander, oder deren Theile auf einander folgen, heissen überhaupt Handlungen. Folglich sind Handlungen der eigentliche Gegenstand der Poesie. (XVI/69)
 
 
V. Laokoon Hässlichkeit
 
[D]ie Hässlichkeit (…) wird (…) dem Dichter brauchbar (…), um gewisse vermischte Empfindungen hervorzubringen und zu verstärken (…) das Lächerliche und das Schreckliche. (XXIII/ 86)
 
 
V. Laokoon Das Eckelhafte
 
Das Eckelhafte kann das Lächerliche vermehren (…) [Aristophanes:] Scholar: Nur freilich: Jüngst hat ihm `nen Geistesfund / Ein Eidechs weggeschnappt! Strepsiades: Wie kam denn das? Scholar: Er wollt bei Nacht des Mondes Bahn und Phasen / Erkunden, schaute offnen Munds nach oben, / Da hat er ihm vom Dach ins Maul geschissen. / Strepsiades: Bravo, Lazertchen! Scheißt auf Sokrates! (XXV/92f.)
 

 

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