Lessing – Hamburgische Dramaturgie

image_pdfimage_print

Zitatübersicht zu Lessings Hamburgischen Dramaturgie

 

Zitat

 

Seiten*

Zitat

 

Seiten*

Reflexionen über die Hamburgische Dramaturgie Über die Tragödie

1

Reflexionen I: Vorhaben

187

13

Begriff Tragödie

161

2

Reflexionen II: Franzosen

189

14

Dramatische Form und Leidenschaften

170

3

Reflexionen III: Aristoteles

190

15

Mitleids-Begriff

148

4

Reflexionen IV: Regeln

191

16

Begriffe Mitleid und Furcht

150-151

Über das Drama

17

Reinigung

169

5

Bestimmung der Kunst

144

Über die Komödie

6

Sprache

143

18

Komödie und Moral

115-116

7

Lehrsatz

108

19

Figuren der Komödie

182

8

Überraschung

137-139

20

Harlekin

111-112

Charaktere im Drama  

9

Figuren in Komödie und Tragödie

175

 

10

Charakter und Widerspruch

121

 

11

Charakter und Unterrichtendes

122-123

 

12

Geschichte und Charakter

119

 
* im Reclamheft
     

 

Die Tragödie ist Nachahmung einer guten und in sich geschlossenen Handlung von bestimmter Größe, in anziehend geformter Sprache, wobei diese formenden Mittel in den einzelnen Abschnitten je verschieden angewandt werden – Nachahmung von Handelnden und nicht durch Bericht, die Jammer und Schaudern hervorruft und hierdurch eine Reinigung von derartigen Erregungszuständen bewirkt. (Aristoteles: Poetik, Kap. 6)

Gotthold Ephraim Lessing: Hamburgische Dramaturgie – Zweiter Teil
 
 
Textgrundlage: G. E. Lessing: Literaturtheoretische und ästhetische Schriften. Herausgegeben von Albert Meier, Reclam 2006
 
Übersicht der Schriften
 
 
I. Abhandlung von dem weinerlichen oder rührenden Lustspiele
II. Pope ein Metaphysiker
III. Briefwechsel über das Trauerspiel
IV. Briefe, die neueste Literatur betreffend, 17. Brief
V. Laokoon: oder über die Grenzen der Mahlerey und Poesie
VI. Hamburgische Dramaturgie
 
 
Zitat 1 Reflexionen I: Selbstreflexion
 
Ich bin weder Schauspieler, noch Dichter. (…) Ich fühle die lebendige Quelle nicht in mir, die durch eigene Kraft sich empor arbeitet, durch eigene Kraft in so reichen, so frischen, so reinen Strahlen aufschießt: ich muß alles durch Druckwerk und Röhren aus mir herauf pressen. (101-104/186f.)
 
 
Zitat 2 Reflexionen II: Vorhaben
 
Was sonst diese Blätter werden sollten, darüber habe ich mich in der Ankündigung erkläret: was sie wirklich geworden, das werden meine Leser wissen. Nicht völlig, wozu ich sie zu machen versprach: etwas anderes; aber doch, denk ich, nichts schlechteres. „Sie sollten jeden Schritt begleiten, den die Kunst sowohl des Dichters, als des Schauspielers h i e r thun würde.“ (101-104/187)
 
 
Zitat 3 Reflexionen III: Aristoteles
 
(…) daß ich das Wesen der dramatischen Dichtkunst nicht verkenne, ist dieses, daß ich es vollkommen so erkenne, wie es Aristoteles aus den unzähligen Meisterstücken der griechischen Bühne abstrahiret hat. (101-104/190)
 
 
Zitat 4 Reflexionen IV: Regeln
 
Und das [das englische Drama] hätte noch hingehen mögen! – Aber mit d i e s e n Regeln fing man an, a l l e Regeln zu vermengen, und es überhaupt für Pedanterey zu erklären, dem Genie vorzuschreiben, was es thun, und was es nicht thun müsse. Kurz, wir waren auf dem Punkte, uns alle Erfahrungen der vergangnen Zeit muthwillig zu verscherzen; und von den Dichtern lieber zu verlangen, daß jeder die Kunst aufs neue für sich erfinden solle. (101104/191)
 
 
Zitat 5 Bestimmung der Kunst
 
Die Bestimmung der Kunst ist, uns in dem Reiche des Schönen dieser Absonderung zu überheben, uns die Fixierung unserer Aufmerksamkeit zu erleichtern. (…) Wenn wir Zeugen von einer wichtigen und rührenden Begebenheit sind, und eine andere von nichtigem Belange läuft queer ein: so suchen wir der Zerstreuung, die diese uns drohet, möglichst auszuweichen. Wir abstrahiren von ihr; und es muß uns nothwendig eckeln, in der Kunst das wieder zu finden, was wir aus der Natur wegwünschten. (74/144)
 
 
Zitat 6 Sprache
 
Bey einer gesuchten, kostbaren, schwülstigen Sprache kann niemals Empfindung seyn. Sie zeigt von keiner Empfindung, und kann keine hervorbringen. Aber wohl verträgt sie sich mit den simpelsten, gemeinsten, plattesten Worten und Redensarten. (…) der schwülstigste Dichter ist daher unfehlbar auch der pöbelhafteste. (59/143)
 
 
Zitat 7 Lehrsatz
 
Ich will nicht sagen, daß es ein Fehler ist, wenn der dramatische Dichter seine Fabel so einrichtet, daß sie zur Erläuterung oder Bestätigung irgend einer großen moralischen Wahrheit dienen kann. Aber ich darf sagen, daß diese Einrichtung der Fabel nichts weniger als nothwendig ist; daß es sehr lehrreiche vollkommene Stücke geben kann, die auf keine solche einzelne Maxime abzwecken; daß man Unrecht thut, den letzten Sittenspruch, den man zum Schlusse verschiedener Trauerspiele der Alten findet, so anzusehen, als ob das Ganze blos um seinetwillen da wäre. (12/108)
 
 
Zitat 8 Überraschung
 
Aber das armselige Vergnügen einer Überraschung! (…) Für den Zuschauer muß alles klar seyn. (…) Ist hingegen alles, was die Personen angeht, bekannt: so sehe ich in dieser Voraussetzung die Quelle der allerheftigsten Bewegungen. (48/137-139)
 
 
Zitat 9 Figuren in Komödie und Tragödie
 
Wir wollten untersuchen, ob es wahr sey, daß die Tragödie Individua, die Komödie aber Arten habe: das ist, ob es wahr sey, daß die Personen der Komödie eine große Anzahl von Menschen fassen und zugleich vorstellen müßten; da hingegen der Held der Tragödie nur der und der Mensch, nur Regulus, oder Brutus, oder Cato sey, und seyn solle. (87 und 88/175)
 
 
Zitat 10 Charakter und Widerspruch
 
Übereinstimmung: – Nichts muß sich in den Charakteren widersprechen; sie müssen immer einförmig, immer sich selbst ähnlich bleiben; sie dürfen sich itzt stärker, itzt schwächer äußern, nach dem die Umstände auf sie wirken; aber keine von diesen Umständen müssen mächtig genug seyn können, sie von schwarz auf weiß zu ändern. (34/121)
 
 
Zitat 11 Charakter und Unterrichtendes
 
Einem Charakter aber, dem das Unterrichtende fehlet, dem fehlet die Absicht. – Mit Absicht handeln ist das, was den Menschen über geringere Geschöpfe erhebt (…) die Absicht uns zu unterrichten, was wir zu thun oder zu lassen haben (…). (34/122f.)
 
 
Zitat 12 Geschichte und Charakter
 
Aber dennoch dünkt es mich immer ein weit verzeihlicherer Fehler, seinen Personen nicht die Charaktere zu geben, die ihnen die Geschichte giebt, als in diesen freywillig gewählten Charakteren selbst, es sey von Seiten der innern Wahrscheinlichkeit, oder von Seiten des Unterrichtenden zu verstoßen. (34/119)
 
 
Zitat 13 Begriff Tragödie
 
(…) daß die Tragödie, mit einem Worte, ein Gedicht ist, welches Mitleid erreget. Ihrem Geschlechte nach, ist sie die Nachahmung einer Handlung; so wie die Epopee und die Komödie: ihrer Gattung aber nach, die Nachahmung einer mitleidswürdigen Handlung. Aus diesen beiden Begriffen lassen sich vollkommen alle ihre Regeln herleiten: und sogar ihre dramatische Form ist daraus zu bestimmen. (77/161)
 
 
Zitat 14 Dramatische Form und Leidenschaften
 
Die dramatische Form ist die einzige, in welcher sich Mitleid und Furcht erregen läßt; wenigstens können in keiner andern Form diese Leidenschaften auf einen so hohen Grad erreget werden (…) (80/170)
 
 
Zitat 15 Mitleids-Begriff
 
„Das Mitleid“, sagt [Moses Mendelssohn] über die Empfindungen, „ist eine vermischte Empfindung, die aus der Liebe zu einem Gegenstande, und aus der Unlust über dessen Unglück zusammengesetzt ist.“ (74/148)
 
 
Zitat 16 Begriffe Mitleid und Furcht
 
Er spricht von Mitleid und Furcht, nicht von Mitleid und Schrecken; und seine Furcht ist durchaus nicht die Furcht, welche uns das bevorstehende Übel eines andern, für diesen andern, erweckt, sondern es ist die Furcht, welche aus unserer Ähnlichkeit mit der leidenden Person für uns selbst entspringt; es ist die Furcht, daß die Unglücksfälle, die wir über diese verhänget sehen, uns selbst treffen können; es ist die Furcht, daß wir der bemitleidete Gegenstand selbst werden können. Mit einem Worte: diese Furcht ist das auf uns selbst bezogene Mitleid. (75/150f.)
 
 
Zitat 17 Reinigung
 
Da nehmlich, es kurz zu sagen, diese Reinigung in nichts anders beruhet, als in der Verwandlung der Leidenschaften in tugendhafte Fertigkeiten, bey jeder Tugend aber, nach unserm Philosophen, sich diesseits und jenseits ein Extremum findet, zwischen welchem sie inne stehet: so muß die Tragödie, wenn sie unser Mitleid in Tugend verwandeln soll, uns von beiden Extremis des Mitleids zu reinigen vermögend seyn; welches auch von der Furcht zu verstehen. Das tragische Mitleid muß nicht allein, in Ansehung des Mitleids, die Seele desjenigen reinigen, welcher zu viel Mitleid fühlet, sondern auch desjenigen, welcher zu wenig empfindet. (78/169)
 
 
Zitat 18 Komödie und Moral
 
Die Komödie will durch Lachen bessern (…). Ihr wahrer allgemeiner Nutzen liegt in dem Lachen selbst; in der Übung unserer Fähigkeit das Lächerliche zu bemerken (…). Ein Preservatif ist auch eine schätzbare Arzeney; und die ganze Moral hat kein kräftigers, wirksamers, als das Lächerliche. (29/115f.)
 
 
Zitat 19 Figuren der Komödie
 
Daher eine Menge Züge, die auf den Sokrates gar nicht paßten; so daß Sokrates in dem Theater getrost aufstehen, und sich der Vegleichung Preis geben konnte! Aber wie sehr verkennt man das Wesen der Komödie, wenn man diese nicht treffende Züge, für nichts als muthwillige Verleumdungen erklärt, und sie durchaus dafür nicht erkennen will, was sie doch sind, für Erweiterungen des einzeln Charakters, für Erhebungen des Persönlichen zum Allgemeinen! (91/182)
 
 
Zitat 20 Harlekin
 
Seitdem die Neuberinn (…) des Herrn Prof. Gottscheds, den Harlekin öffentlich von ihrem Theater verbannte (…) Es wird darinn [Herrn Mösers Abhandlung] beyläufig von einem gewissen Schriftsteller gesagt, daß er Einsicht genug besitze, dermaleins der Lobredner des Harlekin zu werden. Itzt ist er es geworden! wird man denken. Aber nein; er ist es immer gewesen. (18/111f.)

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.