Lessing – Nathan der Weise – Übersicht

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Zusammenfassung

 

Akt/

Szene

Personen Ort Handlung
1/1 Nathan, Daja Flur in Nathans Haus Nathan kommt von einer Reise (Babylon; Schulden einkassieren) wird von Daja begrüßt;

Daja berichtet, dass sein Haus brannte, Recha konnte vom Tempelherrn gerettet werden; Großmut und Ehrlichkeit Nathans werden betont;

Recha schwärmt für den Tempelherrn; dieser wurde gefangen genommen und von Saladin begnadigt

1/2 Recha und die Vorigen   Recha schwärmt vom „Wunder“ ihrer Rettung; Es stellt sich heraus, dass Saladin den Tempelherrn nur begnadigt habe, weil er Ähnlichkeit zu seinem Bruder Assad aufweist; dieser Bruder sei seit 20 Jahren tot; Nathan möchte Recha Vernunft einflößen; Derwisch Al-Hafi, Sultans Schatzmeister, ist zurück
1/3 Nathan, Derwisch   Al-Hafi erzählt von finanziellen Problemen des Sultans, möchte bei Nathan Geld borgen; Nathan lehnt ab, Freundschaft ist ihm wichtiger
1/4 Nathan, Daja   Daja entdeckt den Tempelherrn, wie er unter Palmen auf und ab spaziert; Daja soll den Tempelherrn melden, dass Nathan wieder da sei; sie bestreitet, dass der Tempelherr zu Juden komme
1/5 Tempelherr, Klosterbruder Platz mit Palmen Klosterbruder wurde vom Patriarchen aus dem Kloster zum Tempelherrn geschickt.

Man erfährt, dass der Tempelherr bei der Burg Tebnin mit 19 anderen gefangen genommen und als einziger begnadigt wurde;

Klosterbruder möchte Tempelherr für zwei Dienste gewinnen:

– Überbringung eines Briefes mit Kriegsinformationen gegen Saladin

– Durchführung eines Attentates auf Saladin

Tempelherr lehnt beides ab, will nicht den Mann töten, der ihm Gnade gewährt hat

1/6 Tempelherr, Daja   Daja möchte Tempelherr überreden, Nathan zu besuchen;

Tempelherr lehnt jeglichen Dank ab, möchte von Juden und Recha nichts wissen; Tempelherr behauptet, ein Schwabe zu sein

2/1 Saladin, Sittah Palast des Sultans Saladin und Sittah spielen Schach um Geld, Saladin verliert aus Zerstreutheit;

Themen: Christentum im Allgemeinen, der sich anbahnende Feldzug gegen die Christen, da der Waffenstillstand von ihnen nicht verlängert wurde; Saladin wäre dazu bereit gewesen, Toleranz seinerseits gegenüber Christen; im Vergleich dazu Sittah, die Kreuzzüge und Christianisierung kritisiert

2/2 Al-Hafi, Saladin, Sittah   Geldmangel Saladins, Sittah unterhält den ganzen Hof mit ihrem Vermögen;

Al-Hafi soll für Saladin jemanden finden, der für ihn bürgt; Nathan wird in Betracht gezogen (Weisheit Nathans: Jud‘ und Christ und Muselmann und Parsi, alles ist ihm eins); Al-Hafi verschweigt die vorige erfolglose Begegnung

2/3 Saladin, Sittah   Gespräch über Nathan: frei von Vorurteilen sein Geist, sein Herz wie offen jeder Tugend, wie eingestimmt mit jeder Schönheit; Sittah möchte durch einen Anschlag ohne Gewalt auf Nathan an sein Geld kommen
2/4 Recha, Nathan, Daja Vor dem Hause Nathans Gespräch über Tempelherr, welcher jeden Augenblick kommen wird; Nathan vermutet Zuneigung Rechas gegenüber Tempelherr
2/5 Nathan, Tempelherr   Nathan möchte sich bei Tempelherr bedanken; Tempelherr ist abweisend, erklärt seine Überdrüssigkeit des Lebens zum Zeitpunkt der Rettung Rechas, möchte auch kein Geld; die beiden werden Freunde
2/6 Die Vorigen, Daja   Daja verkündet, dass der Sultan Nathan sprechen möchte, welcher nicht an Nathans Geld interessiert sei
2/7 Nathan, Tempelherr   Beide sind voller Dank für den Sultan: Tempelherr verdankt ihm sein Leben, Nathan verdankt Tempelherr das Leben Rechas; Tempelherr verrät seinen Namen: Curd von Stauffen; Nathan wird hellhörig; er erkennt die große Ähnlichkeit zwischen dem Tempelherren und einem ihm Bekannten namens Wolf; die Nachnamen Filnek und Stauffen beschäftigen ihn
2/8 Daja, Nathan   Nathan erzählt Daja, dass sie jeden Moment den Tempelherren empfangen wird
2/9 Nathan, Al-Hafi   Al-Hafi erfährt von Nathan, dass dieser auf dem Weg zu Saladin sei, er geht davon aus, dass Nathan des Geldes weges zum Sultan soll; er warnt Nathan von den Geldproblemen des Sultans; Al-Hafi möchte nicht mehr beim Sultan arbeiten und beschließt, Jerusalem zu verlassen
3/1  Recha, Daja In Nathans Haus Daja möchte Recha in Europa wissen: Mein Wunsch, dich in Europa, dich in Händen zu wissen, welche deiner würdig sind; Recha hält zu Nathan, ist glücklich bei ihm
3/2 Recha, Daja, Tempelherr   Recha dankt dem Tempelherren fast unterwürfig; Recha und Tempelherr erkennen ihre gegenseitige Zuneigung; Tempelherr macht sich auf den Weg, um Nathan zu suchen
3/3 Recha, Daja   Rechas Gefühle dem Tempelherrn gegenüber werden deutlich Er wird mir ewig wert; mir ewig werter als mein Leben bleiben
3/4 Saladin, Sittah Audienzsaal im Palast des Saladins Saladin und Sittah erwarten Nathan und versuchen, ihn einzuschätzen
3/5 Saladin, Nathan   Nathan und Saladin treffen aufeinander; Saladin will weder Kriegsinformationen noch Geld, möchte Nathans Weisheit testen: Was für ein Glaube, was für ein Gesetz hat dir am meisten eingeleuchtet? Welche Religion ist die wahre?
3/6 Nathan   Nathan denkt über Frage des Sultans nach; er beschließt Saladin in Form eines Märchens zu antworten
3/7 Saladin, Nathan   Nathan erzählt die berühmte Ringparabel

Ein sehr wertvoller Ring mit der Kraft beliebt zu machen wird von Generation zu Generation in einer Familie weitergegeben. Dieser Ring allein kennzeichnet das Oberhaupt des Hauses. Allerdings soll er immer nur an den liebsten Sohn weitergegeben werden.

Doch nun kam der Ring an einen Vater, der sich nicht zwischen seinen drei Söhnen entscheiden konnte. Alle waren ihm gleich lieb.

Der Vater lässt daraufhin zwei vollkommen identische Kopien des Rings anfertigen. Welcher der Originalring ist, vermag selbst der Vater nicht mehr zu sagen. Vor seinem Tod gibt er jedem der Söhne einen Ring.

Die Söhne beginnen zu streiten, wer das Oberhaupt des Hauses wird. Aber der richtige Ring lässt sich nicht nachweisen – so unnachweislich wie der richtige Glaube.

Zwar unterscheiden sich die Religionen, aber sie haben eine Gemeinsamkeit: Sie fußen auf überlieferte Geschichten. Und den Glauben, den man von seinen Eltern liebevoll von klein auf gelernt hat, bezweifelt man nicht. Man würde weiterhin daran glauben, auch wenn die Vorfahren anderer Menschen eine andere Geschichte überliefern.

Ein Richter soll über den Streit der Söhne entscheiden: Er stellt fest, dass der Ring beliebt machen soll, aber keiner der Söhne ist beliebter. Bei wem sich die Kraft der Beliebtheit entfaltet, wird sich erst nach vielen Generationen zeigen. Solange soll jeder Sohn bestrebt sein, Sanftmut, herzlicher Verträglichkeit und Wohltun zu verbreiten – um eben die Eigenschaften der Beliebtheit zu erlangen, die dem richtigen Ring zugeschrieben werden. Nach vielen Jahrhunderten wird sich dann zeigen, wer den richtigen Ring hat…

Daraufhin möchte Saladin mit Nathan Freundschaft schließen; Nathan bietet von sich aus an, ihm Geld zu geben; Saladin gesteht, dass dies seine ursprüngliche Absicht gewesen sei; Nathan erklärt, dass Saladin indirekt an der Rettung Rechas beteiligt gewesen sei; Saladin bittet Nathan, den Tempelherren zu holen: Sittah soll ihn und dadurch die Ähnlichkeit zu Assad sehen

3/8 Tempelherr Unter den Palmen Monolog; Tempelherr ringt mit sich: er kennt seine Liebe zu Recha, obwohl sie Jüdin und er Christ ist; seine Vorurteile hat er abgelegt, als Saladin ihm das Leben schenkte
3/9 Nathan und Tempelherr   Tempelherr möchte um Rechas Hand anhalten, Nathan weicht aus, er möchte mehr über die Herkunft des Tempelherren erfahren, erkundigt sich nach dem Namen des Vaters: Conrad von Stauffen; Nathan denkt, dass dies nicht der Conrad sein kann, den er kennt, da dieser nie verheiratet war; Tempelherr möchte nicht mit zu Nathan nach Hause gehen
3/10 Tempelherr, Daja   Tempelherr gesteht Daja seine Liebe zu Recha; Daja verkündet, dass Recha keine Jüdin, sondern eine Christin sei – von Christeneltern geboren und getauft, Nathan nur ihr Ziehvater; Tempelherr ist empört darüber, dass Nathan ein Christenmädchen jüdisch erzogen hat; Daja erhofft sich, dass Tempelherr Recha und somit auch sie nach Europa mitnimmt
4/1 Klosterbruder, Tempelherr Kreuzgänge des Klosters Tempelherr bittet Patriarchen um Rat; er ringt mit sich selbst bezüglich Nathan: Einerseits ist Nathan für ihn ein grader, frommer, lieber Mann, andererseits kann er Nathans Tat bzgl. Rechas Erziehung nicht verzeihen
4/2 Patriarch, die Vorigen   Tempelherr schildert den Fall Nathans, jedoch ohne zu verraten, ob sie wahr ist oder nicht; In den Augen des Patriarchen ist der Judenvater schuldig und würde hingerichtet werden; er möchte der Sache näher auf den Grund gehen
4/3 Saladin, Sittah Palast des Sultans Nathans Geld ist bei Saladin angekommen; Sittah hat ein altes Gemälde von Assad gefunden; sie wollen das Bild mit dem Tempelherren vergleichen
4/4 Tempelherr, Saladin   Saladin entdeckt aufs Neue die Ähnlichkeit des Tempelherrn zu seinem Bruder; sie verstehen sich sehr gut, Saladin bietet Tempelherrn an, bei ihm zu bleiben, dieser willigt ein; als das Gespräch auf Nathan kommt, wird der Tempelherr frostig. Saladin hakt nach; Tempelherr berichtet von Nathans Abweisung als er um die Hand Rechas anhalten wollte und erzählt von der jüdischen Erziehung des Christenkindes Recha; Tempelherr wird aufbrausend. Saladin versucht ihn zu beruhigen und rät zur Besonnenheit. Saladin scheint etwas aufzugehen und schickt den Tempelherren los, Nathan zu holen. Saladin möchte vermitteln.
4/5 Saladin, Sittah   Saladin und Sittah spekulieren über die Mutter des Tempelherren; Saladin erwähnt, dass Assad gerne die Gesellschaft hübscher Christendamen suchte… ; trotz Unsicherheit findet Saladin, dass Nathan kein Recht auf Recha hat und dass sie von ihm getrennt werden muss
4/6 Nathan, Daja Offene Flur in Nathans Haus Daja bittet Nathan, Recha dem Tempelherren zu geben, somit wäre sie wieder unter Christen; Nathan weicht aus und mahnt Daja zur Geduld; er hat einen Verdacht…
4/7 Nathan, Klosterbruder   Klosterbruder spricht Nathan auf die Geschichte des Juden an, der ein Christenkind als seine Tochter erzieht; er erklärt, dass er es selbst war, der diese Sünde überhaupt erst möglich gemacht hat: vor 18 Jahren war es ein Klosterbruder, der Nathan das Christenkind übergab, das Kind war von Wolf Von Filnek. Dieser konnte das Kind aber nicht behalten und ließ es Nathan zu kommen, er starb später. Klosterbruder hat Verständnis für Nathans Erziehung Nathan berichtet, dass einige Tage zuvor seine Frau und seine sieben Söhne von Christen ermordet wurden. Nach großer Verzweiflung konnte sich Nathan besinnen und nahm das Kind zu sich. Nathan fragt den Klosterbruder nach der Mutter von Recha. Sie war auch eine Stauffin (!) und ihr Bruder war Conrad von Stauffen, selbst ein Tempelherr. Da erwähnt der Klosterbruder ein Buch mit Informationen zu Rechas Verwandtschaftsbeziehungen (er hatte es vom toten Wolf Von Filnek, dem Vater, in Askalon genommen). Wie passt der Tempelherr, selbst ein Von Stauffen, hier rein?
4/8 Daja, Nathan   Daja erzählt Nathan, dass Recha in den Palast des Sultans im Namen von Sittah geholt wurde; Daja plant, Recha über ihre Herkunft aufzuklären
5/1 Saladin, Mamelucken Zimmer in Saladins Palast Das erwartete Geld aus Ägypten ist angekommen; Saladin überlässt den dreisten Mamelucken für das Überbringen der Nachricht mehrfach Geld
5/2 Emir Mansor, Saladin   Der Emir berichtet vom Kriegsgeschehen. Saladin gibt ihm Geld für den Krieg.
5/3 Tempelherr Palmen von Nathans Haus Er erkennt, dass Nathan Rechas wahrer Vater ist – unabhängig vom ihrem leiblichen Vater. Erst Nathan allein hat Recha zu der göttlichen Gestalt gemacht, die sie jetzt ist. Das wäre nicht so, hätte sich der Jude nicht dem Christenmädchen angenommen.

Er sieht Nathan mit dem Klosterbruder reden, er befürchtet, dass der Patriarch schon Bescheid weiß

5/4 Nathan, Klosterbruder   Nathan hat das Buch erhalten und dankt dem Klosterbruder herzlich, er erfährt, dass der Tempelherr dem Patriarchen den Hinweis gegeben hat. Nathan will sich mit dem Buch zum Sultan aufmachen.
5/5 Nathan, Tempelherr   Tempelherr fängt Nathan auf dem Weg ab, Nathan erzählt, dass ein Tempelherr ihn beim Patriarchen angeklagt hat; Tempelherr gesteht seine Tat, versucht sich zu erklären und bittet um Verzeihung; Nathan sagt, dass er vor dem Tempelherren nie versucht habe zu verbergen, dass Recha eine Christin ist. Einzig ihr selbst habe er es verschwiegen – das sei aber allein eine Sache zwischen ihm und Recha. Tempelherr bittet mehrmals dringlich um Rechas Hand; Nathan sagt, nun sei klar, wem Recha anvertraut werden könne und wer über Heirat entscheide: Ihr Bruder! Der Tempelherr will wissen, wer der Bruder sei, aber Nathan verrät es nicht; beide machen sich auf den Weg zum Sultan und zu Recha
5/6 Sittah und Recha Sittahs Harem Recha ist in tiefer Trauer, weil sie Angst hat ihren Vater zu verlieren.

Daja hatte ihr eröffnet, dass sie eine getaufte Christin ist und nicht Nathans leibliche Tochter

5/7 Saladin, die Vorigen   Saladin bestätigt Recha darin, dass Blut allein keinen Vater ausmacht
5/8 Nathan, Tempelherr, die Vorigen   Saladin möchte Recha und den Tempelherren vereinigen, aber Nathan unterbricht ihn. Nathan löst auf: Der Tempelherr ist nicht wirklich Curd von Stauffen, sondern Leu von Filnek! Curd von Stauffen war nicht der leibliche Vater des Tempelherren, sondern der Bruder seiner Mutter. Da dieser Onkel ihn großgezogen hat, trägt er seinen Namen. Der richtige Vater war Wolf von Filnek (ein Freund Nathans, Rechas Vater). Er war selbst aber kein Deutscher, sondern folgte der Mutter nach Deutschland. Der Tempelherr ist Rechas Bruder! Rechas wirklicher Name ist Blanda von Filnek Darauf erkennt Saladin mit Hilfe von Nathans Buch: Wolf von Filnek (Vater von Recha&Tempelherr) war sein verschollener Bruder Assad! Das Stück endet ich einer glücklichen Gruppenumarmung aller Beteiligten

 

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