Schiller – Schriften zum Drama

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Zitatübersicht zu Schillers Schriften zur Dramentheorie

 

Zitat

 

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1

I. Schaubühne: Wirkungen

6-21

11

III. Tragische Kunst: Zweck und Form

63

2

II. Vergnügen: Moralische Zweckmäßigkeit I

35f.

12

IV. Pathetischerhabene: Hauptbedingungen

68

3

II. Vergnügen: Moralische Zweckmäßigkeit II

29-31

13

IV. Pathetischerhabene: Gesetze

68

4

III. Tragische Kunst: Gesamt-Begriff der Tradödie

58

14

V. Pathetische: Sinnlichkeit und Vernunft

79

5

III. Tragische Kunst: Teil-Begriff Tradödie I

58

15

VI. Erhabene:Moralische Anlage

101

6

III. Tragische Kunst: Teil-Begriff Tradödie II

58f.

16

VIII. Chors: Franzosen und Nachahmung

126

7

III. Tragische Kunst: Teil-Begriff Tradödie III

59

17

VIII. Chors: Reflexion und Handlung

130

8

III. Tragische Kunst: Teil-Begriff Tradödie IV

60f.

18

IX. Tragödie und Comödie: Leistungen

133

9

III. Tragische Kunst: Teil-Begriff Tradödie V

61f.

19

IX. Tragödie und Comödie: Lächerlich

133

10

III. Tragische Kunst: Teil-Begriff Tradödie VI

62

20

IX. Tragödie und Comödie: Wirkungen

134

 

 

* im Reclamheft  

 

 

Friedrich Schiller: Schriften zur Dramentheorie
 
Des Menschen ist nichts so unwürdig
als Gewalt zu erleiden.
 
Textgrundlage: F. Schiller: Vom Pathetischen und Erhabenen. Herausgegeben von Klaus L. Berghahn, Reclam 2009
 
 
Übersicht der Schriften
I. Was kann eine gute stehende Schaubühne eigentlich wirken? (1784)
II. Ueber den Grund des Vergnügens an tragischen Gegenständen (~1790)
III. Ueber die tragische Kunst (~1790) IV. Das Pathetischerhabene (~1793/94)
V. Ueber das Pathetische (~1793/94) VI. Ueber das Erhabene (~1796)
VII. Ueber epische und dramatische Dichtung (1797)
VIII. Ueber den Gebrauch des Chors in der Tragödie (1803)
IX. Tragödie und Comödie (~1790)
 
 
 
Zitat 1 I. Schaubühne: Wirkungen Was wirkt die Bühne?
 
[…] Verstärkung von Religion und Geseze […] göttliche Ideale stellt sie uns zur Nacheiferung aus […] eine Schule der praktischen Weisheit […] auf Schicksale macht uns die Schaubühne aufmerksam, und lehrt uns die große Kunst zu ertragen […] Verdienst der bessern Bühne um die sittliche Bildung; kein geringeres gebührt ihr um die ganze Aufklärung des Verstandes […] auf den Geist der Nation […] zur gesellschaftlichen Ergözlichkeit […] in dieser künstlichen Welt träumen wir die wirkliche hinweg, wir werden uns selbst wieder gegeben […] gibt jetzt nur Einer Empfindung Raum – es ist diese: Mensch zu seyn. (I/6-21)
 
 
Zitat 2 II. Vergnügen: Moralische Zweckmäßigkeit I
 
So viel über das Gefühl der moralischen Zweckmäßigkeit, in so fern es der tragischen Rührung und unsrer Lust an dem Leiden zum Grund liegt. […] Aber auch diese Erscheinung hebt dasjenige nicht auf, was bisher über das Gefühl der moralischen Zweckmäßigkeit, und seinen Einfluß auf unser Vergnügen an tragischen Rührungen behauptet wurde. (I/35f.)
 
 
Zitat 3 II. Vergnügen: Moralische Zweckmäßigkeit II
 
Diejenige Dichtungsart also, welche uns die moralische Lust in vorzüglichem Grade gewährt, muß sich eben deßwegen der gemischten Empfindungen bedienen, und uns durch den Schmerz ergötzen. Dieß thut vorzugsweise die Tragödie, und ihr Gebieth umfaßt alle mögliche Fälle, in denen irgend eine Naturzweckmäßigkeit einer moralischen, oder auch eine moralische Zweckmäßigkeit der an-dern, die höher ist, aufgeopfert wird […] um nur mit der höhern moralischen Pflicht übereinstimmend zu handeln[.] (I/29-31)
 
 
Zitat 4 III. Tragische Kunst: Gesamt-Begriff der Tradödie
 
Die Tragödie wäre demnach dichterische Nachahmung einer zusammenhängenden Reihe von Begebenheiten (einer vollständigen Handlung) welche uns Menschen in einem Zustand des Leidens zeigt, und zur Absicht hat, unser Mitleid zu erregen. (III/58)
 
 
 
Zitat 5 III. Tragische Kunst: Teil-Begriff Tradödie I
 
Sie ist erstlich Nachahmung — einer Handlung. Der Begriff der Nachahmung unterscheidet sie von den übrigen Gattungen der Dichtkunst, welche bloß erzählen oder beschreiben. (III/58)
 
 
Zitat 6 III. Tragische Kunst: Teil-Begriff Tradödie II
 
Die Tragödie ist zweytens Nachahmung einer Reihe von Begebenheiten -einer Handlung. Nicht bloß die Empfindungen und Affekte der tragischen Personen, sondern die Begebenheiten, aus denen sie entsprangen und auf deren Veranlassung sie sich äussern, stellt sie nachahmend dar. (III/58f.)
 
 
Zitat 7 III. Tragische Kunst: Teil-Begriff Tradödie III
 
Die Tragödie ist drittens Nachahmung einer vollständigen Handlung. Ein einzelnes Ereigniß, wie tragisch es auch seyn mag, giebt noch keine Tragödie. Mehrere als Ursache und Wirkung in einander gegründete Begebenheiten müssen sich mit einander zweckmäßig zu einem Ganzen verbinden, wenn die Wahrheit, d. i. die Uebereinstimmung eines vorgestellten Affekts, Karakters und dergleichen mit der Natur unsrer Seele, auf welche allein sich unsre Theilnahme gründet, erkannt werden soll. (III/59)
 
 
Zitat 8 III. Tragische Kunst: Teil-Begriff Tradödie IV
 
Die Tragödie ist viertens poetische Nachahmung einer mitleidswürdigen Handlung, und dadurch wird sie der historischen entgegengesetzt […] Da der tragische Dichter, so wie überhaupt jeder Dichter, nur unter dem Gesetz der poetischen Wahrheit steht, so kann die gewissenhafteste Beobachtung der historischen ihn nie von seiner Dichterpflicht lossprechen, nie einer Uebertretung der poetischen Wahrheit, nie einem Mangel des Interesse zur Entschuldigung gereichen. (III/60f.)
 
 
Zitat 9 III. Tragische Kunst: Teil-Begriff Tradödie V
 
Die Tragödie ist fünftens Nachahmung einer Handlung, welche uns Menschen im Zustand des Leidens zeigt. […] Der tragische Dichter giebt also mit Recht den gemischten Karakteren den Vorzug, und das Ideal seines Helden liegt in gleicher Entfernung zwischen dem ganz verwerflichen und dem vollkommenen. (III/61f.)
 
 
Zitat 10 III. Tragische Kunst: Teil-Begriff Tradödie VI
 
Die Tragödie endlich vereinigt alle diese Eigenschaften, um den mitleidigen Affekt zu erregen. (III/62)
 
 
Zitat 11 III. Tragische Kunst: Zweck und Form
 
Der Zweck der Tragödie ist: Rührung, ihre Form: Nachahmung einer zum Leiden führenden Handlung […] Wenn der Zweck der Tragödie ist, den mitleidigen Affekt zu erregen, ihre Form aber das Mittel ist, durch welches sie diesen Zweck erreicht, so muß Nachahmung einer rührenden Handlung der Inbegriff aller Bedingungen seyn unter welchen der mitleidige Affekt am stärksten erregt wird. Die Form der Tragödie ist also die günstigste, um den mitleidigen Affekt zu erregen. (III/63)
 
 
Zitat 12 IV. Pathetischerhabene: Hauptbedingungen
 
Zum Pathetischerhabenen werden also zwey Hauptbedingungen erfodert. Erstlich eine lebhafte Vorstellung des Leidens, um den mitleidenden Affekt in der gehörigen Stärke zu erregen. Zweytens eine Vorstellung des Widerstandes gegen das Leiden, um die innre Gemüthsfreyheit ins Bewußtseyn zu rufen. Nur durch das erste wird der Gegenstand pathetisch, nur durch das zweyte wird das pathetische zugleich erhaben. (IV/68)
 
 
Zitat 13 IV. Pathetischerhabene: Gesetze
 
Aus diesem Grundsatz fließen die beiden Fundamentalgesetze aller tragischen Kunst. Diese sind erstlich: Darstellung der leidenden Natur; zweytens: Darstellung der moralischen Selbstständigkeit im Leiden. (IV/68)
 
 
Zitat 14 V. Pathetische: Sinnlichkeit und Vernunft
 
An dieser Disharmonie nun zwischen denjenigen Zügen, die der animalischen Natur nach dem Gesetz der Nothwendigkeit eingeprägt werden, und zwischen denen die der selbstthätige Geist bestimmt, erkennt man die Gegenwart eines übersinnlichen Princips im Menschen, welches den Wirkungen der Natur eine Gränze setzen kann, und sich also eben dadurch als von derselben unterschieden kenntlich macht. (V/79)
 
 
Zitat 15 VI. Erhabene: Moralische Anlage
 
Glücklicherweise aber ist nicht bloß in seiner rationalen Natur eine moralische Anlage, welche durch den Verstand entwickelt werden kann, sondern selbst in seiner sinnlich vernünftigen, d. h. menschlichen Natur eine aesthetische Tendenz dazu vorhanden, welche durch gewisse sinnliche Gegenstände geweckt, und durch Läuterung seiner Gefühle zu diesem idealistischen Schwung des Gemüths kultivirt werden kann. Von dieser […] idealistischen Anlage […]. (VI/101)
 
 
Zitat 16 VIII. Chors: Franzosen und Nachahmung
 
So haben die Franzosen, die den Geist der Alten zuerst ganz misverstanden, eine Einheit des Orts und der Zeit nach dem gemeinsten empirischen Sinn auf der Schaubühne eingeführt, als ob hier ein anderer Ort wäre als der bloß ideale Raum, und eine andere Zeit als bloß die stetige Folge der Handlung. (VIII/126)
 
 
Zitat 17 VIII. Chors: Reflexion und Handlung
 
Der Chor reinigt also das tragische Gedicht, indem er die Reflexion von der Handlung absondert […]. (VIII/130)
 
 
Zitat 18 IX. Tragödie und Comödie: Leistungen
 
Das Gemüth in Freiheit zu setzen erzielen beide, die Comödie leistet es aber durch die moralische Indifferenz, die Tragödie durch die Autonomie. (IX/133)
 
 
Zitat 19 IX. Tragödie und Comödie: Lächerlich
 
So muss uns die Comödie den lächerlich machen, welcher Dank erwartet […] Auch den Heuchler kann die Comödie behandeln, aber dann muß es so geschehen, daß nicht er abscheulich, sondern die welche er betrügt lächerlich werden. (IX/133)
 
 
Zitat 20 IX. Tragödie und Comödie: Wirkungen
 
lm Ganzen kann man sagen: die Comödie sezt uns in einen höheren Zustand, die Tragödie in eine höhere Thätigkeit. Unser Zustand in der Comödie ist ruhig, klar, frei, heiter, […] Die Tragödie macht uns nicht zu Göttern, weil Götter nicht leiden können, sie macht uns zu Heroen […]. (IX/134)
 

 

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