Schlegel, A.W. und F. – Dramentheorie

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Zitatübersicht zu F. und A.W. Schlegels Schriften zur Dramentheorie

 

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Übersicht der Schriften (F. Schlegel)   Übersicht der Schriften (A.W. Schlegel)

1

I. Lessing: Einschätzung

113-115

9 I. Kunstlehre: Definition Tragödie

83f.

2

I. Lessing: Emilia Galotti

116

10 I. Kunstlehre: Definition Handlung

84

3

II. Athenäum: Drameninhalt

206

11 I. Kunstlehre: Einheit

84

4

II. Athenäum: Wesen der komischen Kunst

206

12 I. Kunstlehre: Freiheit und Schmerz

86

5

IIIc. Brief: Romantische Poesie I

335

13 I. Kunstlehre: Stil

89

6

IIIc. Brief: Romantische Poesie II

336

14 I. Kunstlehre: Vergleich alte Tragödie und Komödie

97

7

IIId. Styl: Dreiteilung I

356

15 IIa. Zweyte: Dramatische(r) Inhalt und Wirkung

29

8

IIId. Styl: Dreiteilung II

357

16 IIa. Zweyte: Ernst und Scherz

29

 

17 IIb. Fünfzehnte: Opitz bis Lessing

286-292

 

18 IIb. Fünfzehnte: Goethe und Schiller

293f.

 

19 IIb. Fünfzehnte: Zukunftsempfehlung

309

 

  * in der Textgrundlage

 

August Wilhelm und Friedrich Schlegel: Dramentheoretische Schriften

 

Textgrundlage:
I. Kritische Friedrich-Schlegel-Ausgabe. Herausgegeben von Ernst Behler. Zweiter Band: Charakteristiken und Kritiken I. Herausgegeben von Hans Eichner. München 1967.
II. A.W. Schlegel: Kritische Ausgabe der Vorleseungen. Herausgegeben vonErnst Behler. Erster Band: Vorlesungen über Ästhetik. Paderborn 1989.
III. A.W. von Schlegel: Vorlesungen über dramatische Kunst und Literatur. Kritische Ausgabe. Band I und II. Bonn 1923.

 

Übersicht der Schriften (F. Schlegel)

 

I. Über Lessing
II. Athenäum
III. Gespräch über die Poesie
(a. Epochen der Dichtkunst)
(b. Rede über die Mythologie)
c. Brief über den Roman
d. Versuch über den verschiedenen Styl in Goethes früheren und späteren Werken [Zweite Fassung]

 

Zitat 1 I. Lessing: Einschätzung
„Ich bin, sagt er hier […] weder Schauspieler noch Dichter.“ […] so wage ichs zu behaupten, daß Lessing, obgleich er nicht fähig gewesen wäre, sich selbst zu charakterisieren, sich doch in einem vorzüglichen Grade selbst kannte, und grade kein Departement seines Geistes so gut kannte, als seine Poesie. (I/113-115)

 

Zitat 2 I. Lessing: Emilia Galotti
[…] EMILIA GALOTTI? Unstreitig ein großes Exempel der dramatischen Algebra. Man muß es bewundern dieses in Schweiß und Pein produzierte Meisterstück des reinen Verstandes; man muß es frierend bewundern, und bewundernd frieren; denn ins Gemüt dringts nicht und kanns nicht dringen, weil es nicht aus dem Gemüt gekommen ist. (I/116)

 

Zitat 3 II. Athenäum: Drameninhalt
Ein Gedicht oder ein Drama, welches der Menge gefallen soll, muß ein wenig von allem haben, eine Art Mikrokosmus sein. Ein wenig Unglück und ein wenig Glück, etwas Kunst, und etwas Natur, die gehörige Quantität Tugend und eine gewisse Dosis Laster. (II/206/245. F.)

 

Zitat 4 II. Athenäum: Wesen der komischen Kunst
Das Wesen der komischen Kunst aber bleibt immer der enthusiastische Geist und die klassische Form. (II/206/246. F.)

 

Zitat 5 IIIc. Brief: Romantische Poesie I
Wollen Sie sich den Unterschied völlig klar machen, so lesen Sie gefälligst etwa die EMILIA GALOTTI die so unaussprechlich modern und doch im geringsten nicht romantisch ist, und erinnern sich dann an Shakespeare, in den ich das eigentliche Zentrum, den Kern der romantischen Fantasie setzen möchte. (IIIc/335)

 

Zitat 6 IIIc. Brief: Romantische Poesie II
Das Schauspiel soll auch romantisch sein, wie alle Dichtkunst […] (IIIc/336)

 

Zitat 7 IIId. Styl: Drei Kräfte der Poesie I
Als ein treuer Spiegel der Menschenseele muß auch die Poesie in jener dreifachen Grundkraft verstanden werden; und es muß also eine Poesie des Geistes, ein dichterisches Element der Seele und ein mehr verkörpertes Darstellungsgenie in der Kunst, abgesondert vorhanden sein und deutlich unterschieden werden können. (IIId/356)

 

Zitat 8 IIId. Styl: Drei Kräfte der Poesie II
Und so verhält es sich auch wirklich. Die materielle Dichtkunst ist diejenige, welche auf der Vorstellung der äußern Gegenstände, der Begebenheiten, Charaktere, Handlungen, Leidenschaften beruht, und diese in der ganzen Fülle der einzelnen Züge, der eigentümlichsten Wahrheit und der historischen Wirklichkeit nach den Gesetzen und in dem verklärenden Lichte der Poesie zu schildern versucht. Außer der dramatischen Gattung gehört aber auch der Roman in diese Sphäre […]. (IIId/357)

 

Übersicht der Schriften (A.W. Schlegel)

 

I.Vorlesungen über Philosophische Kunstlehre
II. Vorlesungen über dramatische Kunst und
Literatur:
a. Zweyte und
b. fünfzehnte Vorlesung

 

Zitat 9 I. Kunstlehre: Definition Tragödie
Die Tragödie ist die unmittelbare Darstellung einer Handlung, in welcher der Streit zwischen der Menschheit und dem Schicksale in Harmonie aufgelöst wird. […] Er [Aristoteles] nimmt zu viel Objektives aus der Erfahrung in seine Definition; die Tragödie solle Schrecken und Mitleiden zur Reinigung der Leidenschaften erwecken; aber dies ist ein moralischer Zweck, der keinen Bezug auf ihr Wesen hat. […] Dies [Sieg der Freiheit] kann zu einem moralischen Zwecke, den Aristoteles in seine Definition aufnimmt, geführt werden: jene erhabene Stimmung in uns hervorzubringen. (I/83f./§ 212)

 

Zitat 10 I. Kunstlehre: Definition Handlung
Handlung im strengen Sinne ist Richtung der Kraft durch Freiheit. In der gewöhnlichen Wirklichkeit erscheinen die menschlichen Tätigkeiten nicht als der gesamten Masse zufälliger Naturwirkungen entgegengesetzt, sondern als ein Teil derselben und von ihrer Wirk-lichkeit abhängig. […] Die poetische Erscheinung der Freiheit erfordert daher das Element einer idealischen Welt, in welcher der Zufall ausgeschlossen und über das Gebiet der Freiheit hinaus alles notwendig bestimmt ist. (I/84/§ 213)

 

Zitat 11 I. Kunstlehre: Einheit
Die strenge Begrenzung der Tragödie wird ebenfalls nur durch diese Erhebung über die Natur möglich. Denn nur insofern eine Reihe menschlicher Tätigkeiten von einem unteilbaren Akte der Freiheit abhängt, kann sie ein Ganzes ausmachen. Die tragische Einheit ist daher die höchste, die es geben kann; sie […] befriedigt nicht bloß das Gefühl und die Phantasie, sondern die Vernunft. In einer vollkommenen Tragödie muß daher alles mit Notwendigkeit in seiner Stellung stehen und nichts weggenommen oder hinzugefügt werden können, ohne das Ganze zu zerrütten. (I/84/§214)

 

Zitat 12 I. Kunstlehre: Freiheit und Schmerz
Die höchste Erscheinung der menschlichen Freiheit kann nur durch solche Lagen hervorgerufen werden, die mit den Neigungen im höchsten Widerspruche stehen; die tragische Darstellung darf sich daher auch dem Härtesten und Schmerzlichsten, was im menschlichen Leben vorkommen kann, nicht entziehen, aber sie muß die Gemüter nicht unnützerweise zerreißen. (I/86/§ 217)

 

Zitat 13 I. Kunstlehre: Stil
Die poetische Darstellung der Dialoge in der Tragödie muß sich eben so sehr über die Natur erheben, als die Darstellung der Menschheit überhaupt; es werden nicht nur alle zufälligen Beschaffenheiten und Mängel abgesondert, sondern das Handelnde darin rein herausgehoben, und statt daß es in der Wirklichkeit zerstreut und ungleichförmig vorkommt, in Massen zusammengedrängt und fixiert. In allen Reden ist daher ein Hinstreben nach einem Ziele, aber auch in den Leidenschaften noch ein rhythmisch gehaltenes. (I/89/§ 221)

 

Zitat 14 I. Kunstlehre: Vergleich alte Tragödie und Komödie
Die Vortrefflichkeit der alten Tragödie bestand in der lebendigen Erscheinung der unendlichen Harmonie; die der alten Komödie in der lebendigen Erscheinung unendlicher Fülle; jene erhebt durch schmerzliche Empfindungen zu der würdigsten Ansicht der Menschheit und des Lebens; diese ruft aus einer durchaus spottenden und erniedrigenden Betrachtungsart aller Dinge die unbedingteste Freiheit hervor. (I/97/§ 236)

 

Zitat 15 IIa. Zweyte: Dramatische(r) Inhalt und Wirkung
Der dramatische Dichter stellt uns zwar auch, wie der epische, äußerliche Vorfälle dar, aber als wirklich und gegenwärtig. Er nimmt unsre Theilnahme dabey in Anspruch, aber nicht so genügsam wie der lyrische Dichter, sondern weit unmittelbarer als dieser will er uns erfreuen und betrüben. Er ruft alle Regungen hervor, die bey dem Anblick der Handlungen und Schicksale wirklicher Menschen in uns wirksam sind, und will diese Regungen erst durch die Gesamtheit der hervorgebrachten Eindrücke in die Befriedigung einer harmonischen Stimmung auflösen. (IIa/29)

 

Zitat 16 IIa. Zweyte: Ernst und Scherz
Daß ich es auf den einfachsten und verständlichsten Ausdruck zurückführe: das Tragische und Komische verhalten sich zu einander wie Ernst und Scherz. […] der Ernst gehört mehr ihrer [der menschlichen Natur] sittlichen, der Scherz ihrer sinnlichen Seite an. (IIa/29)

 

Zitat 17 IIb. Fünfzehnte: Opitz bis Lessing
Opitz, der als der Stifter ihrer [der dramatischen Kunst] neueren Form angesehen werden kann […] Gottsched, dessen Schriften einem wässerichten Tranke gleichen […] Lessing […] Miß Sara Sampson ist ein weinerliches schleppendes bürgerliches Trauerspiel […] Minna von Barnhelm ist ein wahres Lustspiel der feineren Art […] Noch mehr Bewunderung als Minna von Barnhelm erwarb Emilia Galotti, ich weiß nicht ob mit vollkommnem Rechte […] Nathan der Weise, welches […] den ächten Kunstregeln am meisten gemäß ist […]. (IIb/ 286-292)

 

Zitat 18 IIb. Fünfzehnte: Goethe und Schiller
Doch darf ich wohl von der dramatischen Laufbahn Goethe’s und Schiller’s, zweyer Männer, auf welche unsre Nation stolz ist, und im vertrauten Umgange mit denen ich oft meine Gedanken über die Kunst berichtiget habe, mit der Offenheit reden, welche ihres großen uneigennützigen Strebens würdig ist. (IIb/293f.)

 

Zitat 19 IIb. Fünfzehnte: Zukunftsempfehlung
Indessen […] laßt uns […] ihn [den Namen „Romantisch“] durch Kritik und Geschichte wieder zu seiner wahren Bedeutung […] adeln. Man hat sich neuerdings bemüht, die Reste unsrer alten National-Poesie und Ueberlieferung auf mancherley Weise wieder zu beleben. Diese können dem Dichter eine Grundlage für das wundervolle Festspiel geben; die würdigste Gattung des romantischen Schauspiels ist aber die historische. (IIb/309)

 

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